04.03.2021. Isch reeesch misch uff – unn so schnell nimmie ab. Kanzlerrunde zu Corona.

Von Robert Wilhelm.

MUPPETSHOW. „Denk ich in Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Es war Heinrich Heine, der den Anfang seines Gedichtes 1844 aus seiner Feder fließen ließ. Wir schreiben 2021. Oder Jahr 2 Corona. Was war das eigentlich gestern eine Veranstaltung in Berlin? Eine Muppetshow. Die zwei alten Herren in der Loge hätten vom Feinsten gefeixt.

MUPPETSHOW. 14.30 Uhr ging's am Mittwoch los mit der Kanzlerrunde. Kabinett, Kanzlerin und Ministerpräsidenten. Zweimal musste unterbrochen werden, weil die Köpfe rauchten und sich gepiesackt wurde.

Da keift der „Bayern-König“ Söder (CSU, was sonst?) den Hanseaten und Finanzminister sowie Kanzlerkandidat Scholz (SPD, was sonst?) an, er möge sein „schlumpfiges Grinsen“ bleiben lassen. Du sollst keine Könige neben mir haben oder was? Wie sonst ist der weitere verbale Ausfall Söders zu verstehen, dass er Scholz unter die Nase rieb, er wäre nicht König von Deutschland, als es um die Finanzierung der Corona-Bekämpfungskosten ging, die der Bund nicht alleine bereit ist zu stemmen. Wieder Muppetshow.

Frei heraus. Beschränkter geht es nicht.

Liebes Kanzleramt, liebe Länderchefs. Um die Nacht gebracht. Ja, das habt Ihr wirklich geschafft. Was soll das? Eine genervte und zeitauslaufende Kanzlerin verkündet nach vielen Stunden erneuter Debatte hinter verschlossenen Türen einen verquirrlten Quark an neuen Maßnahmen, dass einem schwindlich wird.

Zig Regelungen mit Notbremse.

Regelungen bei Inzidenz über 100, unter 100, bei Inzidenz 50 oder 35. Verschiedene Lockerungen, aber wieder rücknehmbar. Kurzfristig oder längerfristig. Genannt Notbremse. Aha! Weiter geht's im Wirrwarr Impfen, (schnell-)testen, Maskenpflicht … Habe ich deshalb für diese Kakophonie wirklich bis nach 24 Uhr vor dem Fernseher verharrt und einem schier nicht enden wollenden Bla-bla der Kanzlerin zu lauschen, der ihr Frust über die renitenten Landesfürsten ins Gesicht gemeißelt schien? Dafür habe ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen und noch dazu schlecht geträumt? Wer soll sich das alles im Alltag merken?

Irgendwann bin ich aus dem Statement der Kanzlerin geistig ausgestiegen und habe heute Morgen über den dpa-Ticker die Zusammenfassung gelesen. Das hat mir auch nicht weitergeholfen.

Wisst Ihr überhaupt noch, was Ihr da tut? Soll jetzt jeder mit einer nicht erarbeiteten Fibel unterm Arm rumlaufen und jeden 2. Schritt nachschlagen müssen, was erlaubt ist oder nicht? Nach über einem Jahr Hilflosikeit die selbe zur Verbündeten zu machen, kann ja wohl nicht das Ziel sein. Und Ihr alle wollt in diesem Superwahljahr wieder gewählt werden? Puh.

Der Alltag muss laufen.

Ich habe 5 Kinder, ich muss jeden Tag zig Entscheidungen treffen, mit wem sich wer treffen darf. Ad hoc. Da kann ich nicht erst mal in den nun völlig zerfledderten Vorschriften der ab Montag neu geltenden Corona-Bekämpfungsverordnung blättern. Der Alltag muss laufen.

Ihr, in Berlin, kommt endlich mal zu Sinnen. Aber wie pflegte meine Großmutter immer zu sagen: „Wo sind sie hin? Nach Berlin, wo die Verrückten sinn'“ Nichts für ungut. Viel Spaß beim Umsetzen der neuesten Beschlüsse. Mit einem schlumpfigen Grinsen. Der Spruch gefällt mir ... Foto. rw.