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10.07.2024. Freibad-Shuttle. Kleinkarierter geht es kaum.

OBERHAUSEN. BZA. Es war wieder eine dieser Sitzungen, zu denen man besser erst gar nicht hingehen sollte. Aber. Wenn es halt nicht der Auftakt von 5 Jahren Legislaturperiode gewesen wäre. Selbst der Pressekollege von der Konkurrenz rollte mit den Augen und schnaubte sachte. Die konstituierende Sitzung des VG-Rates BZA in Oberhausen am gestrigen Dienstag war eine Mischung von konstruktiver Zielgerichtetheit in etlichen Sachfragen, aber auch einem Affezippel-Theater, wie de Pälzer saachd, mit letzlich doch umfänglicher Einsicht, nachdem der verschossene Pulverdampf abgezogen war. Und eines vorweg. Auch, wenn es nur eine pekunäre Kleinigkeit ist. Der zuständige Erste Beigeordnete Martin Engelhard war zwar merklich sehr nervös und fast schon scheu in der in diesem Punkt äußerst diskussionsfreudigen Ratsrunde, hat aber letztlich Rückgrat gezeigt, was so nicht ganz typisch für ihn ist. Konkret. Gleichwohl. Gut so. Thema? Shuttle-Verkehr vom Freibad BZA zum Freibad Steinfeld. Warum? Weil in BZA wegen eines Wasserrohrbruchs kein (sehr großes) Nichtschwimmerbecken mit Spaßrutsche und auch kein Planschbecken mehr zur Verfügung steht. Auf einen Satz reduziert. Die Sitzung auf einen Satz reduziert. Hier werden 9,7 Millionen Euro Kosten abgenickt, dort rund 6000 Euro für ein Jugendangebot sich gegenseitig behakend diskutiert.

Um was es geht.

Wie berichtet, ist ein großer Teil des Freibades BZA wegen Wasserrohbruchs aus dem Betrieb genommen. Das heißt unter anderem, dass gerade kleinere, (Nichtschwimmer-)Kinder, die nicht in Urlaub fahren, keinen Anreiz mehr haben, etwas mit sich anzufangen, wie sich beispielsweise in den Sommerferien im Freibad zu treffen. So wurde im Frühjahr im VG-Rat die Idee entwickelt, einen Shuttle-Verkehr von BZA (Start Freibad BZA) nach Steinfeld einzurichten, wo Plansch- und Nichtschwimmerbecken zur Verfügung stehen.

Von der Vorstellungskraft.

Nun kommen wir mal zur menschlichen Psyche, besser gesagt zum Vorstellungsvermögen und des sich daraus in bestimmten Situationen abzuleitenden Urteilsvermögens. Was das mit dem Shuttle-Verkehr zwischen den Freibädern BZA und Steinfeld zu tun hat? Ganz einfach. Ein normal Sterblicher kann sich Millionen-Euro-Ausgaben nicht wirklich vorstellen.

Mal eben 9,7 Millionen Euro abgenickt.

So verlief das Vorhaben Erweiterung der Böhämmer-Grundschule (mit allem drum und dran, inklusive zwischenzeitlicher Container-Lösung) für satte 9,7 Millionen Euro absolut einvernehmlich, ohne Diskussion, mit nur 3 oder 4 Rückfragen randinhaltlicher Art. Der Shuttle-Verkehr zwischen den beiden Freibädern hingegen eskalierte zwar nicht, geriet jedoch zum munteren Schlagabtausch über Sinn und Unsinn, quer über alle Fraktionen hinweg. Denn es geht um einen Betrag nicht in Millionenhöhe, sondern um einen in wohl gerade einmal 4-stelligen Euro-Bereich. Und das für die Dauer von 6 Wochen Sommerferien. Also für jeden vorstell- und greifbar. Und was wurde da plötzlich gezankt um den Vorschlag, den der Erster Beigeordnete Martin Engelhard präsentierte.

Das Shuttle-Prinzip. Ab kommenden Montag.

Ein Kleinbus mit 8 Sitzplätzen. Abfahrt täglich 13 Uhr am Freibad BZA. Rückkehr 17.30 Uhr (Abfahrt Steinfeld) zum Freibad BZA. Alleinfahrende Kinder brauchen einen Nachweis zur Transporterlaubnis durch ihre Eltern. Kostenpunkt. 70 Euro pro Fahrt. Start ab kommenden Montag, 15. Juli. Hintergrund der Idee für ein Shuttle ist, dass Kinder aus Pleisweiler, BZA und Kapellen keinen Anspruch auf ein Maxx-/Schulbus-Ticket haben, weil sie weniger als 4 Kilometer von ihrer Schule weg wohnen. Folglich laufen viele von ihnen von zuhause zur Schule und so auch zum Freibad, das nun aber in seiner Nutzung massiv eingeschränkt ist.

Und da sind wir genau an dem Punkt „Vorstellungsvermögen“. Hier 9,7 Millionen Euro für die Grundschulerweiterung, aber nix Genaues weiß man nicht, ob es sich in der derzeitigen Planungsphase 2 von insgesamt 9 nach oben oder nach unten mit der Bausumme entwickelt. Aber bei 5880 Euro (bei einer Fahrt hin und dann auch wieder zurück. Bei Bedarf auch mehr als eine Fahrt möglich) für unsere Kinder in den Sommerferien einen Shuttle-Service einzurichten, damit sie sich nicht herumhängend langweilen, sondern sich im Freibad treffen können, wird ein Hauen und Stechen im VG-Rat inszeniert. Dann wird die Schulerweiterung aber vielleicht klamm-heimlich 1 oder mehr Millionen teurer. Einstimmiges abnicken ist schon jetzt angesagt. Beim Freibad-Shuttle Ackermann (CDU) dafür, Beigeordneter Clemens Ott (Grüne) dafür. Torben Kornmann (SPD) dagegen, etc ... Ganz ehrlich. Kleinkarierter geht es kaum.

Freibad-Shuttle. Montag soll es los gehen.

Immerhin. Es wurde sich schließlich zusammen gerauft und nach Gutzureden durch Engelhard, jetzt doch erst einmal zu starten und nach einer Woche zu schauen, ob und wie es läuft gegebenenfalls einzugreifen. Bürgermeisterin Kathrin Flory stellte letztlich den Beschluss zur Abstimmung. Angenommen. Geht doch. Wenn auch als schwere Geburt ...

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