20.11.2020. Beim Geist. Zu Besuch. Hochprozentig.

De Pfeffers Bernd. Bei seinen Lieferanten.
Corona-Tagebuch. Schirmbar. Tag 21.

Niedergeschrieben von Robert Wilhelm.

SCHWEIGEN. OBEROTTERBACH. Es duftet. Feingeistig. Hochprozentig. Nach Birne. Williams. Wow! Brennmeister Willi Peter ist ein Künstler seines Faches. De Pfeffers Bernd weiß, warum er in seiner Schirmbar in Schweigen am Weintor diese Produkte ausschenkt.

De Pfeffers Bernd pumpt Birnen-Maische in den Brennkessel.

Brennmeister Willi Peter verschließt den mit Maische gefüllten Kessel. Jetzt wird geheizt.

De Pfeffers Bernd inspiziert das Innenleben des Brennkessels.

In der obersten Kammer zischelt und brodelt es am meisten. De Pfeffers Bernd ist Augenzeuge.

SCHWEIGEN. OBEROTTERBACH. Oberotterbach ist eine kleine Gemeinde, etwas über 1000 Einwohner. Geteilt durch die Weinstraße, die das Ober- und das Unterdorf voneinander trennt und gleichsam verbindet.

Das Oberdorf grenzt an den Pfälzerwald, in dem das beliebte Ausflugsziel Schützenhaus liegt, von wo aus der Waldgeisterweg beginnt. Das Unterdorf erstreckt sich in die Rheinebene. Bestanden mit unzähligen Obstbäumen. Der Rohstoff für Willi Peters Brände und eben „Geister“.

Brennrechte wurden vererbt.

Der Brennmeister erzählt, wie er zu diesem Nebenerwerb gekommen ist. Schon sein Vater hat gebrannt. Die Rechte seien früher vererbt worden. Verkauft worden seien die Rechte so gut wie nie, weiß der Brenner zu berichten. Er ist wie die Generationen zuvor in das Handwerk hineingewachsen.

Es ist in der Tat Handwerk. Es ist nicht nur ein Kupferkessel, in dem die Maische erhitzt wird und am Ende der bis zu 90-prozentige Alkohol in den Auffangbottich einläuft. Die aus Kupfer gefertigte Destillationsanlage ist ein filigranes Gesamtkunstwerk.

Knapp vier Liter Schnaps aus 130 Litern Maische.

Vier übereinanderliegende Brennkammern, in denen die Dämpfe und Aromen aufsteigen, sich verfeinern von Kammer zu Kammer. Zig Hebel, Thermometer, Schieber und Ventile. Und dann die gläsernen Guckaugen. Man sieht, wie es von Kammer zu Kammer unterschiedlich dampft, zischelt und brodelt. Jede Hexe wäre neidisch.

Am Ende: 4 Liter, fast 90-prozentiger herrlich duftender Alkohol. Die Ausgangsmasse waren 120 bis 130 Liter Maische. Verdünnt wird das Ganze mit dem wohl weichsten Quellwasser in der Region. Aus den örtlichen Hängen des Pfälzerwaldes. Nicht umsonst gilt gerade Oberotterbach wegen seines besonderen Wassers als eine Hochburg der Deutschen Klein- und Obstbrennerszene.

De Pfeffers Bernd. Beeindruckt.

Angesichts der Erhabenheit und auch imponierenden Behäbigkeit des Brennkessels ist selbst der nie um einen Spruch verlegene Pfeffers Bernd beeindruckt. Er schaut durch die Gucklöcher. In jeder Kammer passiert etwas anderes. Er steigt auf die Leiter, um ganz oben reinzuschauen. Reden tut er nicht. Er freut sich aber. Er lächelt. Er sieht, wie das entsteht, was er in Nicht-Corona-Zeiten seinen Gästen serviert. De Pfeffers Bernd ist hin und weg.

Willi Peter legt größten Wert auf Qualität, sagt er. „Es darf nicht kratzen im Hals.“ Das tut der Vorlauf, also das erste, was aus dem Kessel kommt. Das wird nicht abgefüllt. Erst der Mittellauf verdient, auf die Flasche gezogen zu werden. Mild, fast wie Öl rinnt der "Stoff" die Kehle hinab. Hochprozentig.

Und für alle Autofahrer hat Willi Peter eine einfache Faustformel parat, die wissenschaftlich belegt sei: Ein Schnaps habe soviel Alkohohl wie ein halbes Achtel Wein. Also könne man vier Schnäpse trinken und käme auf den gleichen Wert wie bei einem Viertel Wein.

Nur bestes Tafelobst kommt in den Kessel.

Insgesamt darf Willi Peter im Jahr maximal 300 Liter an Destillaten aus seinem zumeist eigenen Obst herstellen. Beim „Geist“ gibt es keine Mengenbeschränkung. Egal ob mit neutralem Alkohol versetztem „Geist“ oder reinen Obstbränden gibt es eine einzige Devise. Die Qualität des Ausgangsproduktes. „Ich verarbeite nur Tafelobst. Bei mir kommt keine Frucht mit Würmern oder sonstigen Schäden in den Kessel.“ Von der eigenen Streuobstwiese oder den Bioblutorangen, die er aus Sizilien bezieht.

De Pfeffers Bernd ist schwer beeindruckt. Und das will was heißen. Fotos. sp.