Die öffentliche Matinee bildet den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, die an das Leben und Wirken des großen Stadtsohns erinnern, dessen Todestag sich 2027 zum 100. Mal jährt. Geplant sind Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und Vorträge sowie Installationen im öffentlichen Raum.
Begründung der Jury.
„Ilse Kilic ist ein bodennaher Fixstern am Firmament der deutschsprachigen Experimentalliteratur“, heißt es in der Begründung der Jury. Lokal vernetzt und mit wacher Weitsicht beschäftige sich die 68-Jährige seit vielen Jahrzehnten mit den großen Fragen von Sprachphilosophie, Leben und Welt, die sie in ihrer stilsicheren, unvergleichlichen Punk-Ästhetik mit Hilfe von beantwortbaren Fragen erfasse. „Ob der Grundmodus Erzählung oder Essay ist, hoch ist der Unterhaltungsfaktor und diamanten die Härte und Schärfe der Gedanken“, urteilt die Jury weiter.
In Wien geboren, gehört Ilse Kilic zu den prägendsten Künstlerinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Graphic Novel, Spiel- und Regelpoesie, Nicht-Erzählung und visuelle Poesie. Inhaltlich befasst sich Kilic mit den Lebensbedingungen von Personen inner- und außerhalb literarischer Texte. Dabei spielt Kritik der (gesellschaftlichen) Realität und Wirklichkeit eine ebenso große Rolle wie Sprachexperiment und das Spiel „mit und gegen die Regel“. Sie schafft Werke von sprachlicher Präzision und spielerischer Haltung, angelehnt an die Konzeption der Oulipo-Gruppe sowie an Punk- und Post-Punk-Haltungen.
Die Förderpreis-Trägerin.
Die Jazz-Posaunistin und Komponistin Anke Lucks erhält den Hugo-Ball-Förderpreis. Die 51-Jährige stammt aus Mettmann und lebt seit 2000 in Berlin. Auf einer ihrer letzten CDs beschäftigte sich Lucks unter dem Titel „Gadjama“ mit dem Lautgedicht „Gadji beri bimba“ von Hugo Ball.
Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Der Jazz ist immer noch eine Männerdomäne. Dabei müssen Jazzmusikerinnen sich immer noch gegen Widerstände Gehör verschaffen.“ Es habe in den Jahren 2023/24 eine harte Debatte um die Sicht- und Hörbarkeit von Jazzmusikerinnen auf Konzertbühnen und Jazzfestivals in Deutschland gegeben. Dass diese von einem männlichen Musiker stellvertretend losgetreten wurde, spreche Bände, heißt es weiter. Es gehe bis heute nicht um Quoten; es gehe um Qualitäten! „Eine große Jazzband um den Schlagzeuger Günther ‘Baby‘ Sommer, in der neben Anke Lucks auch weitere Musikerinnen spielen, nennt sich nun bereits ‘New Generation of Sister and Brotherhood of Breath‘. Immerhin!“
Info.
Mit dem Hugo-Ball-Preis würdigt die Siebenhügelstadt das Werk des in PS geborenen Künstlers, Schriftstellers und Kriegsgegners. Ball (1886-1927) hat unter anderem 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire mit Dada eine der einflussreichsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts mitbegründet. Mit dem Kulturpreis geehrt werden lebende Persönlichkeiten, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls arbeiten. Text. sp.
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