Meine Person war „W 15“. Also 15 Monate in Uniform. Es war Vieles doof und nervig. Als Matrose im „schnackenden Norden“. Gleichwohl. Diese Zeit hat so viel Positives gebracht. Das sei den jungen Männern der Work-Life-Balance-Generation einfach Mal so zur Kenntnis gegeben.
Das größte Gut. Kameradschaft.
Das größte Gut, das durch die Wehrpflicht erwuchs und bis heute seit Jahrzehnten Bestand hat, ist die Verbundenheit unter bis dato nicht bekannten jungen Männern. Freundschaften, die seit Jahrzehnten halten. Auf Biegen und Brechen. In der ganzen Republik. In der Fregatte auf hoher See oder im Bunker in der Nordsee-Kommunikationszentrale waren wir ein Haufen. Ob aus Stuttgart, Aachen, Hannover oder Flensburg. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Eine nicht abkühlende Schweißnaht bis heute.
Die Sekundär-Effekte. Disziplin & Ordnung.
Jenseits des Gewehrlauf-Putzens und der richtigen Anwendung von Gasmasken oder dem Schießen im Grabenstand hat der Wehrdienst viele positive Zeichen für mein Leben gesetzt, worüber heute viele junge Leute – aus Unwissenheit - lächeln mögen und aus einer hilflosen Argumentationskette gerne alles ganz schnell auf Corona-Zeit-Depressionen schieben. Es geht um Ordnung und Disziplin. Schlichtweg um Struktur fürs Leben.
Ich habe als Funker und Fernmelder bei der Marine nicht nur Morsen, sondern auch das Zehn-Finger-Tippen auf der Lochstreifen-Schreibmaschine gelernt, was mir sehr beim heutigen Beruf des Journalisten bis heute hilft. Des Weiteren. So sauber und korrekt kann keiner in meiner Familie Hemden auf Kante zusammenlegen oder Betten machen und Ordnung im Kleiderschrank halten. Vom Schuhe putzen vor der Inspektion am Freitagmittag durch den Spieß, um auch tatsächlich ins WE zu kommen, und dem Tisch-Decken für die Kameraden fange ich erst gar nicht an.
Freunde fürs Leben.
Der Wehrdienst ist kein abgespactes Baller-Game-Abenteuer. Er ist eine Schule fürs Leben, für die man in der Regel im Nachhinein sehr dankbar sein wird, weil einem so viel beigebracht wurde und dabei so viele Freunde, im selben Boot sitzend, kennengelernt hat. So auch bei den Singstunden des Marine-Chors „Blaue Jungs“. Gemeinschaft. Sozialer Zusammenhalt. Das ist Wehrpflicht jenseits der Landesverteidigung.
Bei aller Meinungsvielfalt und gar nicht mal so verkehrter Work-Life-Balance-Mentalität. Bitte aber auch mal andere Argumente anschauen und sie zulassen. Dann erst diskutieren und nicht nur auf sich selbst schauen.