Das Werk entspringt der Feder des Musical-Komponisten Andreas Schmittberger. Dergestalt mit Bravour umgesetzt, dass man als Zuschauer von der ersten Sekunde an spürte. Die Kinder haben nicht nur ein Jahr lang geübt. Sie haben in der von ihnen erzählten Geschichte gelebt, gelitten und gelacht. Es ist in den Herzen der Schüler angekommen. Oder wie lautet ein Zitat aus der Fachpresse. „Ein Lehrstück, ohne belehrend zu sein.“ Wohl wahr.
Um was es geht.
Es geht um Neid, Zwietracht und Missgunst. Und wie man sie säet, um persönlich Vorteil daraus zu ziehen. Da leben zwei Dorfgemeinschaften rechts und links der Grenze. Auf der ein Apfelbaum steht, der die beiden Völker mit seinen Früchten herzlichst verbindet. Im konkreten Falle. Hier die Pfalz und dort das Elsass. Passend dazu immer die französische Sprache so gut eingebunden, dass es wirklich jeder verstanden hat.
Das Komp(l)ott.
Es geht um die Lebenseinstellung der Dorfbewohner Hiwwe wie Driwwe. Das Motto ihrer Freundschaft. „An apple a day keep the doctor away.“ Die Menschen sind gesund und munter. Es geht ihnen gut. Das fuchst zwei Ärzte rechts und links der Grenze. Weil sie keine Patienten haben. Da die Äpfel die Menschen gesund halten. Sie schmieden ein Komp(l)ott. Säen Zwietracht. Damit die Menschen aufeinander losgehen, es Verletzte gibt und sie als Ärzte mit ihren Behandlungen endlich viel Geld verdienen können.
Grenze versetzt. Streit & Versöhnung.
Die beiden Ärzte streuen das Gerücht, dass die Grenze nicht stimmt. Der Apfelbaum steht angeblich ein Meter entfernt von der französischen Linie. Die Bewohner von dort dürften eigentlich gar keine Äpfel ernten. Es kommt zu Unruhen auf beiden Seiten. Und gegenseitigen Attacken. Doch im Hintergrund wirken die beiden Dorfältesten im Hinter- und Vordergrund auf beide Seiten ein. Die Saat ihrer Worte geht auf. Die Vernunft kehrt ein. Die Menschen vereinen sich wieder in deutsch-französischer Freundschaft.
Standing Ovation.
Lohn für die tolle Leistung der jungen Schauspieler? Standing Ovation in der sehr gut gefüllten Aula, in der zu Beginn die beiden Schulleiter Kerstin Ellerwald (Realschule) und Pete Allmann (Gymnasium) die Zuschauer begrüßt hatten.
Die Macher. Eine Auswahl.
Kulissenbau. Jörg Brombacher
Schauspiel-Coaching Lisa Kuhm, Brigitte Urhausen
Chor. Meike Wilding-Stöffler, Patrick Himpel
Und das ehemalige, weil seit Jahren pensionierte, Musik-Lehrer-Urgestein Clemens Schmitt für Rat und Tat.
Fazit. Völkerverständigung. Alfred Grossers Leidenschaft.
Im Rahmen der Feierlichkeiten 500 Jahre (Latein-)Schule BZA passte dieses Musical wie angegossen als krönender Abschluss. Denn der Namensgeber der Einrichtung, Alfred Grosser, hat dies alles zeit seines Lebens verkörpert.
Der gebürtige Frankfurter ist als Kind und Sproß einer jüdischen Familie samt Anhang vor den Nazis nach Frankreich geflohen. Der spätere Atheist und Mann einer zutiefst katholisch-gläubigen Frau machte Karriere als Publizist und Professor an der Pariser Elite-Universität Sorbonne. Sehr früh, bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, streckte der junge Grosser immer die Hand nach Deutschland, insbesondere nach der Jugend in der ehemaligen Heimat aus. Grenzen überwinden. Trotz aller internationalen Würdigungen, Vorträgen im Berliner Reichstags-Gebäude vor dem Bundestag. Was war er stolz, als man ihn aus der südpfälzischen Provinz anfragte, ob er nicht Namensgeber für das Schulzentrum mögen werde.
Wir haben den Gelehrten mit zumeist verschmitztem Lächeln einmal für ein langes Interview unter 4 Augen am Rande seiner fast jährlichen Besuche in BZA treffen können. Ein großer Mann, der im vergangenen Jahr im Alter von 99 Jahren verstorben ist. Ihn hätte diese großartige Inszenierung sicherlich begeistert.