08.11.2025 - „Ich gehöre zu dieser Stadt.“ Eine Institution lässt die Politik ruhen. Ibrahim Izadi.

Ein Markenzeichen des Wochenmarktes und der Kommunalpolitik. Ibrahim Izadi. Nach 22 Jahren ist der 65-jährige, gebürtige Perser am Donnerstag aus dem Stadtrat, in dem er für die SPD saß, ausgeschieden. Foto. rw.

Es gibt nur wenige Momente im Berufsleben eines Journalisten, die einen inne halten und gleichsam mitfreuen lassen. Am Donnerstagabend war im BZAer Stadtrat ein solcher. Ibrahim Izadi ist nach 22 Jahren aus dem kommunalen Parlament ausgeschieden und wurde von Stadtbürgermeister Hermann Augspurger per Handschlag verabschiedet und gewürdigt. Wir von suewpress.de haben mit Ibrahim Izadi im Vorfeld gesprochen. Über sein Leben, seinen Werdegang und seine Zukunft. Beeindruckend.

BZA. PERSIEN. Ungeachtet der aktuellen Diskussion in Sachen Migration und Abschiebungsdebatte. Schauen wir einfach mal auf einen Menschen, der wollte, machte, tat und auch ankam. Ibrahim Izadi ist die Inkarnation der erfolgreichen Integration. Sein stetes, immer ehrlich-sympathisch-verschmitztes Lächeln hinter der Theke seines Marktstandes mit orientalischen Delikatessen und dem ein oder anderen netten Spruch ist südpfalz-weit bekannt.
 

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„,Aschenbecher' war mein erstes deutsches Wort.“

Dabei ist er gelernter Vermessungstechniker. Aber seit vielen, vielen Jahren noch lieber Marktbeschicker. Der heute 65-Jährige verließ Persien 1985. Die angesagteste Anlauf-Adresse war damals und ist bis heute (West-)Berlin. In einer Kneipe in der Hauptstadt hat er sein erstes deutsches Wort gelernt. „Aschenbecher“, erzählt Izadi lachend. Zunächst einmal ein Sprachkurs. Dann ging es 6 Monate später an die Uni nach KA zum Maschinenbau-Studium. Dazu hat er als Student eine Bleibe in BZA gefunden. Ideal. Denn das studium-bedingte Praktikum konnte er am heimischen Produktionsstandort der damaligen Mannesmann-Demag in BZA absolvieren. 

Vom Maschinenbauer zum Delikatessen-Verkäufer.

Während des Studiums in KA hat Izadi, um etwas hinzu zu verdienen, angefangen, im Feinkost-Bereich in der Fächerstadt zu arbeiten. „Das hat so viel Spaß gemacht. Die vielen sozialen Kontakte. Da stellte sich mir die Frage: Warum soll ich meinen Beruf weiter machen? Ich hatte dort mehr Spaß als im Maschinenbau.“ Angefangen hat der Perser als Marktbeschicker mit einem Zelt am alten Rathaus Ende der 1980er Jahre. Dazu hat er auch noch die Klingbachhalle in Klingenmünster bewirtschaftet. Von 1990 bis 2004/05. Schließlich hat er sich den südpfalz-weit bekannten blau-weißen Delikatessen-Markt-Wagen angeschafft. 

Das politische Engagement. „Ich liebe diese Stadt.“

22 Jahre lang war Ibrahim Izadi SPD-Fraktionsmitglied im Stadtrat von BZA. Vor gut 30 Jahren ist er den Genossen beigetreten. Seine Antriebsfeder für politisches Engagement: Einmischen, Mitmischen, und vor allem: helfen. „Ich gehöre zu dieser Stadt. Ich liebe diese Stadt“, sagt Izadi, der auch Unwissenden und Flüchtlingen hilft, Formulare auszufüllen. „Es ist mein Interesse, Leute zu vertreten aus meiner Stadt.“ Es gebe ein großes Vertrauen der Menschen in seine Person, ihn immer wieder in den Stadtrat gewählt zu haben. Und auf das ganze Land bezogen fügt er dankbar an: „Ich freue mich, dass ich in Deutschland leben kann. Es hat mir alles gegeben“, sagt der Perser, der immer wusste, was er wollte.

Der Rückzug. Die Gründe.

Die Gründe, weshalb er sich mit seinen 65 Jahren nun aus der Stadtpolitik zurückzieht sind kurz und nachvollziehbar erklärt. Zuvorderst gesundheitsbedingt. Des Weiteren: Endlich mehr Zeit für die Familie und für sich. Doch er bleibt ein leidenschaftlicher Schaffer vor dem Herrn. Denn seinen Delikatessen-Marktstand möchte er noch ein paar Jahre betreiben. Lassen wir es uns schmecken. Die Redaktion wünscht alles erdenklich Gute.

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