11.01.2025 - 11.01.2025. Seefeldt. Wider das Belächeln. Kraft. Mut. Aufbruch.

Landrat Dietmar Seefeldt hatte für den gestrigen Freitagabend zum Neujahrskonzert der Kreismusikschule nebst seines Jahresrückblicks nach Maikammer eingeladen. Foto. KV. SÜW. Frei.

MAIKAMMER. Eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, versuchte Landrat Dietmar Seefeldt in seiner Neujahrsansprache beim Empfang der SÜW am gestrigen Freitagabend im Rassiga-Haus in Maikammer, die traditionell einher ging mit dem jährlichen Jahresbegrüßungskonzert des Orchesters der Kreismusikschule.

 

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Seefeldt. „'Es gibt nichts Gutes, außer man tut es'. Auf dieses Zitat von Erich Kästner habe ich vor wenigen Wochen meine Weihnachtsgrußbotschaft in den Sozialen Medien ausgerichtet. Die Rückmeldungen über die Feiertage zeigten mir, dass dieses Zitat viele angesprochen hat. Es begleitete mich auch in Gedanken noch über den Jahreswechsel hinaus, sodass ich entschieden habe, genau dieses Zitat auch anlässlich meiner Neujahrsansprache heute Abend nochmals aufzugreifen. Während ich das Zitat an Weihnachten im Sinne der stetigen Präsenz der Hoffnung in einer immer schwierigen Welt interpretiert habe – wie auch das Grün des Weihnachtsbaums anzeigt, dass nach jedem Winter das Frühjahr folgt – so eignet sich der Spruch auch hervorragend, um die Aufbruchsstimmung, den Zauber zu vermitteln, der jedem neuen Anfang inne wohnt. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Gutes tun. Kleine Gesten. Und Profis.

Gutes zu tun können kleine Gesten im Alltag sein sein, so Seefeldt. Dazu kommen aber auch die vielen Menschen, die Gutes tun zu ihrem Beruf gemacht haben. Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Polizisten, Mitarbeiter von Jugendhilfe-Einrichtungen und viele mehr. Dann seien da vor allem noch die Menschen, die sich mit ehrenamtlichen Tätigkeiten „in unsere Gesellschaft einbringen“. Sei es in Kultur- oder Sportvereinen, in der sogenannten Blaulicht-Familie, bei den Tafeln, in Serviceclubs, oder bei Initiativen, Projekten oder nachbarschaftlichen Aktionen. All diese Menschen tun Gutes.

Gutmensch abgewertet.

„Trotz der schieren Menge an sozial Engagierten wird das Helfen in unserer heutigen Gesellschaft oft belächelt, von manchen gar als naiv abgetan. Es lohne sich ja nicht für einen selbst. Der Begriff „Gutmensch“ wurde zwischenzeitlich sogar abwertend für diejenigen benutzt, die sich für die Integration Geflüchteter in die Gesellschaft engagieren. Es gibt nichts Gutes – so denken heutzutage womöglich viele, und so lautet auch der erste Teil des Kästner-Zitats“, so Seefeldt.

Außer, man tut es.

„Doch der zweite Teil hat es in sich und er ändert alles. 'Außer man tut es'. Leichtigkeit, Kraft, Mut und Aufbruch, ins Handeln kommen, die Erwartung des Negativen durchbrechen – das alles steckt in diesen vier Wörtern. Außer. Man. Tut. Es. Denn wer das Gute einfach tut, es der vermeintlich schlechten Welt entgegensetzt, hat die normative Kraft des Faktischen auf seiner Seite: Das Gute ist dann, wenn man es tut, eben da. Es ist getan, in der Welt. Und nicht nur das, es steckt in der Regel auch andere an. Gutes zu tun gibt Beispiel.

Beispiele für Gutes-Tun.

Deswegen möchte ich den heutigen Abend nutzen, um eine kleine Auswahl von Wohltätigkeitsorganisationen, Charity-Organisationen, würde man neudeutsch sagen, vorzustellen, die bei uns im Landkreis Südliche Weinstraße ein solches Beispiel geben. Sie sind karitativ im ursprünglichen Sinne; sie helfen, wo es nötig ist.

Miteinander. Für einander.

Da ist beispielsweise die Initiative „Miteinander für einander – Südpfalz“ von Daniel Grimm aus Billigheim-Ingenheim und seinen Mitstreitern, heute Abend vertreten von Carina Engelhart. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte Grimm eine Facebook-Gruppe gegründet, zunächst um Spielsachen für Notbetreuungen und die Verteilung selbstgenähter Masken zu organisieren. Daraus ist eine große ehrenamtliche Initiative geworden: Die Gruppe zählt inzwischen fast 5000 Mitglieder. Hilfe fürs Ahrtal ebenso wie für die Ukraine hat sich bei Facebook zusammengefunden. Quer durch die Gesellschaft und unabhängig von Institutionen wird geholfen. Gerade bei Facebook, dem sozialen Netzwerk, das inzwischen insbesondere für einen rauen Ton steht, setzt die Gruppe einen Gegenpol – und wirkt natürlich weit darüber hinaus.

Weihnachtspäckchenkonvoi.

Kommen wir zum nächsten Beispiel. Seit vielen Jahren freuen sich Kinder in Osteuropa zur Weihnachtszeit über Geschenke aus dem „Weihnachtspäckchenkonvoi“ – liebevoll verpackt unter anderem von Bürgern aus dem Landkreis SÜW. Die bundesweite Aktion der Round-Table-Familie sammelt jedes Jahr Präsente und bringt diese per LKW-Konvoi in entlegene Regionen in Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine. Dabei gilt der Grundsatz: Kinder helfen Kindern. Etwa indem sie ein eigenes gut erhaltenes Spielzeug auswählen, um es in das Paket zu legen. Hinter dem Weihnachtspäckchenkonvoi stehen in der Südpfalz die Serviceclubs Round Table 64 Südpfalz, Ladies Circle 46 SÜW, Agora Club Tangent und Old Table. Das sind Vereinigungen mit dem Ursprung in der Tradition des englischen Clublebens. Sabine Kissel, Mitglied des Ladies Circle und eine der Hauptorganisatorinnen des hiesigen Weihnachtspäckchenkonvois, ist heute Abend für die Initiative anwesend.

Die Riding Santas.

Auch die nächste Initiative engagiert sich in der Vorweihnachtszeit: Die „Harley-Davidson-riding-Santas“, eine private Gruppe von Harley-Fahrerinnen und -Fahrern aus der Region, sind jedes Jahr für das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen unterwegs und sammeln Spenden. Dahinter steckt Patrick Kuntz aus Knöringen, beziehungsweise Santa City. Denn 2023 hatte ihm ein Freund der Rolf-Epple-Stiftung ein neues Ortsschild für seinen Wohnort mit der Aufschrift „Santa-City“ gestiftet. Mit ihren Harleys und im Weihnachtsmann-Kostüm besuchen die Santas am Nikolaustag vor allem Kinder in Schulen, Kitas und Kinderheime sowie Seniorenheime und sammeln Spenden. Mehr als 115.000 Euro fürs Kinderhospiz Sterntaler waren bis dahin schon zusammengekommen, so Seefeldt.

Die Barber Angels.

Die nächste Initiative hat ein offensichtliches Merkmal mit den Rinding-Santas gemein: Auch die Barber Angels um Uwe Becker aus BZA treten öfters mal mit Kutte im Stil der Motorradfahrer auf. Bei ihnen handelt es sich allerdings um engagierte Friseure. Sie helfen benachteiligen Menschen durch ihr Handwerk, geben ihnen durch einen kostenlosen Haarschnitt ein Stück Würde und Selbstwertgefühl zurück. Barber Angels ist Englisch und steht für Frisör-Engel.

Charity-Kids-Festival.

Das Charity-Kids-Festival von Andreas Trischmann ist seit über einem Jahrzehnt eine feste Größe in der Pfalz. Mit verschiedenen Veranstaltungen wird ein Erlös erwirtschaftet, der dann an diverse Vereine und Institutionen geht, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren. Während der Pandemie hat sich Andreas Trischmann mit „Comedyspaß im Weinglas“ auch für die Kulturszene stark gemacht. Trischmann arbeitet mit anderen Herzensmenschen eng zusammen. In diesem März soll es ein „Großes Marvel und DC-Treffen“ in Gommersheim geben, organisiert von „Spiderman – der freundlichen Spinne aus SP“ und dem Charity-Kids-Festival. Rund 20 verschiedene Helden haben den beiden Machern bereits zugesagt. Es ist ein umfangreiches Programm für Kinder geplant. Aus dem Erlös der Veranstaltung soll der Besuch kleiner „Kämpfer“ in verschiedenen Krankenhäusern mit einigen Marvel-Comic-Helden im Spätjahr realisiert werden, um ihnen Mut und Kraft zu schenken und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Fröhliches Kunterbunt.

Das Fröhliche Kunterbunt BZA besteht am längten von allen Beispielen. 1969 fand das erste Mal ein solches FKB statt, das Jugendliche im Schlossinnenhof zugunsten einer Kirchenrenovierung veranstalteten. Aus der spontanen Idee wurde ein Fest, das seitdem ohne Unterbrechung gefeiert wird. Auch unter dem Jahr ist das FKB in der Kurstadt und der Region tätig, etwa durch einen Flohmarkt im Edith-Stein-Haus, durch Unterstützung der Sternsingeraktion, durch Teilnahme am Hungermarsch der Indienhilfe, beim Karolinenmarkt und bei anderen Veranstaltungen. Das Fröhliche Kunterbunt unterstützt mit dem Erlös Kinder und ihre Familien in Togo, Indien und Brasilien. „Namentlich nenne ich heute Abend fürs FKB Hans Erich Klein, der seinerseits nach meiner Kontaktaufnahme allerdings ganz bescheiden betont hat, dass eine Würdigung seines Engagements gleichzeitig auch eine Würdigung der ganzen ehrenamtlichen Helfer des Fröhlichen Kunterbunts sein müsse, des Organisationsteams und allen anderen, die sich übers Jahr einbringen und oft im Hintergrund tätig seien“, so Seefeldt.

Rückblick. Einander helfen.

Seefeldt. „Seit meinem ersten Neujahrsempfang als Landrat der Südlichen Weinstraße nutze ich diesen Anlass dazu, die Aufmerksamkeit auf inspirierende Menschen und damit besonderen Themen zu lenken, die unseren Landkreis prägen. 2018 habe ich die Arbeit der Spenderdateien in Deutschland, die mit ihren Typisierungsaktionen und daraus folgenden Blut- oder Knochenmarkspenden Leben retten können, in den Mittelpunkt gestellt. 2019 waren es die ehrenamtlichen Hüttendienstler des Pfälzerwald-Vereins. 2020 habe ich auf beachtenswerte Existenzgründungen in der Südpfalz hingewiesen und 2023, als der Empfang nach der Pandemie wieder in Präsenz möglich war, galt die Bühne der Kunst und Kultur im Landkreis. 2024, dem Jahr der Kommunal- und Europawahl, widmete ich die Aufmerksamkeit den Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern in der Kommunalpolitik. Heute Abend standen die karitativen Initiativen im Mittelpunkt.“

2024 war, Sie erinnern sich, das Jahr der Kommunal- und Europawahl. Genau hier im Bürgerhaus Maikammer, hat sich unser neuer Kreistag Südliche Weinstraße, Wahlperiode 2024/2029, bereits am 8. Juli, knapp vier Wochen nach der Kommunalwahl, konstituiert. Zum Ersten Kreisbeigeordneten wurde erneut Georg Kern (CDU) gewählt. Die Kreistagsmitglieder wählten außerdem Uwe Huth (FWG) und Werner Schreiner (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) zu Kreisbeigeordneten. Seit etwa einem halben Jahr arbeitet der Kreistag und der Kreisvorstand also in neuer Konstellation zusammen.“

Bau Rettungswache in BZA.

„Wir knüpfen dabei natürlich direkt an, an das, was in der vorherigen Periode beschlossen worden ist beziehungsweise kommen in die Umsetzung dessen. Beispielsweise stehen in fast jeder Kreisausschusssitzung Maßnahmen unseres großen Bedarfs- und Entwicklungsplans Katastrophenschutz für die Jahre 2022 bis 2032 auf der Agenda. Auch 2025 werden wir entsprechend weitere notwendige Fahrzeuge anschaffen, dafür ausreichend Stellplätze schaffen und auch der Bau der neuen Rettungswache in Bad Bergzabern in der Landauer Straße mit einer Halle mit Stellplätzen für den Katastrophenschutz wird beginnen“, so Seefeldt.

Müllgebühren gesenkt.

Seefeldt. „Gelungen ist uns auch auf einem ganz anderen Tätigkeitsfeld des Landkreises etwas Besonderes: Unser Eigenbetrieb Wertstoffwirtschaft hat im vergangenen Jahr seinen Service noch weiter ausgebaut, auf acht Monate wöchentliche Leerung der Biotonne im Jahr – bei gleichzeitiger, teil drastischer Gebührensenkung. Die Bürgerinnen und Bürger zahlen seit 2024 bis zu 40 Prozent weniger für ihre Abfallentsorgung. Dieses niedrige Niveau werden wir auch in den nächsten Jahren halten können. Den Erlös aus dem Verkauf des Müllheizkraftwerks in Pirmasens in Höhe von circa acht Millionen Euro haben wir sogar noch auf der hohen Kante liegen. In Zeiten allgemeiner Preissteigerungen können wir den Menschen so wenigstens bei den Abfallgebührenbescheiden entgegenkommen.“

Shuttle-Service eingeführt.

Seefeldt. „Apropos entgegenkommen: Lassen Sie sich doch mal mit der VRNFlexline abholen. Als erster Landkreis im VRN haben wir im vergangenen August diesen Shuttle-Service gestartet. Durch das Streichen einer wenig frequentierten Buslinie und dank der finanziellen Beteiligung der VG Edenkoben können die Menschen im Gäu und in Edenkoben mit einem Shuttle-Service auf Abruf individuell und flexibel unterwegs sein. Auch Hochstadt ist bereits angeschlossen. Außerdem haben wir die Flexline an WEs und Feiertagen auf Rhodt und Weyher ausgeweitet.“

Klimaschutz.

Um unsere Klimaziele zu erreichen, engagieren wir uns nicht nur mit solchen Kampagnen, sondern investieren auch kräftig in erneuerbare Energien. Drei Photovoltaikanlagen haben wir 2024 auf den Weg gebracht. 2025 sollen sie Strom liefern: Auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes in unserem Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße bei Silz, über den Parkplatz westlich des Kreishauses in Landau und – das größte Projekt in Form einer Freiflächenanlage – auf der früheren Deponie bei Edesheim. Diese 6,4 MWp-Anlage wird außerdem mit einer großen Batteriespeicherkapazität ausgestattet sein.

Sanierungen. Straßenerneuerung. Hallenbau.

Auch an anderen Stellen haben wir als Landkreis 2024 massiv in eine moderne Infrastruktur investiert, beispielsweise bei der digitalen Sanierung des PAMINA-Schulzentrums in Herxheims. 2025 steht der Sporthallenneubau in Herxheim an. Wir werden des Weiteren in unser Kreisstraßennetz investieren (die K51 bei Helmbach und die K24 Dierbach sind vorgesehen) und den Um- oder Neubau zahlreicher Kindertagesstätten finanziell mit jeweils 40 Prozent fördern.

Rennrad-Bundesliga in SÜW etabliert. Nun grenzüberschreitend.

Seefeldt. „Zum Schluss ein Blick auf Sport, Kunst und Kultur: Mit dem großen Preis der Südlichen Weinstraße ist es uns in den vergangenen Jahren gelungen, die Radsportbundesliga in unseren Landkreis zu holen und ein Überlandrennen im Stil der großen Klassiker rund ums Deutsche Weintor zu etablieren. 2025 wollen wir noch eine Schippe drauflegen. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner und dem Veranstalter des Rennens, dem RV Vorwärts 1904 Offenbach, werden wir die Streckenführung erstmals auch jenseits der Grenze verlaufen lassen und das Feld der Radsportler nach Frankreich schicken.“ Text. sp.

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