„40 Jahre wandert das Volk Gottes, 40 Tage ist Elija in der Wüste unterwegs. Es ist ein Jubiläum, das das Ringen und Kämpfen deutlich macht – aber auch den, der alles begleitet und trägt, der die Kraft dazu gibt. Ihm zu danken, bin ich und sind wir heute hier." An dem Gottesdienst nahmen neben Bischof Wiesemann auch Bischof Dr. Franz Jung (Würzburg), Weihbischof Matthias König (Paderborn), Weihbischof Otto Georgens (SP) sowie zahlreiche weitere Weggefährten des Bischofs teil. Darunter auch der Ex-MP von RLP, Kurt Beck. Wiesemann dankte ihnen und allen Gläubigen für die Weggemeinschaft, „und dafür, dass Sie mich immer wieder auf einigermaßen guten Wegen erhalten haben". Die Capella Spirensis und Leitung von Michael Marz gestaltete den Gottesdienst musikalisch, Markus Eichenlaub spielte die Orgel.
„Die Zahl 40 hat ihre Magie."
Die Predigt übernahm Benediktinerpater Elmar Salmann OSB, der Doktorvater von Bischof Wiesemann. „Da ist das Fest des heutigen Tages, der romanische Gebau, Bach und Palestrina, der alte Glanz klassischer Religion. Da sind Elija, und im Hintergrund Mose, das Gebet Jesu und die geheime Verklärung, die zart-mächtige Mitte christlicher Milde und Klarheit. Und die Erinnerung, die eine Verheißung in sich birgt." Doch es gebe auch das andere. „Die Wanderung zwischen all den unabsehbaren Welten, Forderungen, Glaubensansichten, Kirchenkonzepten, Sprachen, Bildern, Verlusten und Entdeckungen, von inneren Zweifeln und der Tapferkeit im Austragen all dieser Spannungen". In eben dieser Spannung zwischen Glanz und Suche sehe er das priesterliche Wirken Wiesemanns verankert. Mit Blick auf die 40 Jahre priesterlichen Dienstes sprach der Benediktiner von einer „Präsenz in einem Beruf, einer Lebensform zwischen der ostwestfälischen Diaspora, Paderborn, Rom, Sauerland und Speyer – und dies inmitten der rasenden Veränderungen und unmerklichen Wandlung der Zeiten, der Lebens- und Glaubensstile".
Salmann erinnerte daran, dass die Zahl 40 in der Bibel eine besondere Bedeutung habe. „Die Zahl 40 hat ihre Magie", sagte er, „die 40 Tage der Wanderung des Elija, nach seinem großen Triumph über die Baalspriester – aber Siege sind noch keine Erfolge, bleiben oft nicht da, vergehen, weichen der Traurigkeit des Ungesicherten, des Verlorenseins." Erst wer gelernt habe, „die Stimme des Göttlichen nicht im Theaterdonner der Empörungen und Kämpfe zu vernehmen, sondern in seinem unmerklichen Vorübergang, dem Hauch eines verschwebenden Schweigens", könne den göttlichen Weg erkennen.
Grußworte von Bistum, Stadt und Landeskirche.
Nach dem Gottesdienst lud Generalvikar Markus Magin Vertreter von Bistum, Stadt und Landeskirche dazu ein, „nach dem Dank an Gott auch noch den Dank an unseren Bischof auszudrücken".
Weihbischof Otto Georgens führte in seinem Grußwort aus: „Das Jubiläum ist eine hilfreiche Unterbrechung, die im Alltag mit seinen Mühen, Verpflichtungen und Gewohnheiten die Größe, Schönheit, Tiefe und Kostbarkeit der priesterlichen Berufung neu bewusstmacht." Die priesterliche Berufung, so der Weihbischof, bedeute unter anderem, von Jesus Christus zu sprechen und ihn den Menschen nahe zu bringen, ihn sichtbar zu machen und an ihn zu erinnern. Er dankte dem Bischof, dass er seit 40 Jahren seine priesterliche Berufung lebe. „Der heutige Tag, an dem wir das 40jährige Priesterjubiläum unseres Bischofs feiern, gibt uns die Gelegenheit, einem Menschen, das zu sagen, was wir ihm schon lange sagen wollten: Schön, lieber Karl-Heinz, dass es Dich gibt, dass Du als Priester und Bischof für uns, für die Diözese, für die Menschen da bist."
Auch Theo Wieder, Vorsitzender der Diözesanversammlung, gratulierte Bischof Wiesemann zum 40-jährigen Priesterjubiläum. „Getreu Ihrem Wahlspruch ‚Major Omni laude' (Größer als alles Lob) ist Ihnen die Aufgabe und Sorge anvertraut, dass das Lob Gottes in den Gemeinden unseres Bistums nicht verstummt." Dies mache es, so Wieder, zwangsläufig notwendig, immer die Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen, ihren Freuden und Bedrängnissen, ihren Zweifeln und Fragen im Blick zu haben.
„In einem Raum wie diesem Dom, dessen Steine von annährend 1000 Jahren Geschichte sprechen, muten vierzig Jahre wie ein Wimpernschlag an", so Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst in ihrem Grußwort. „Im Leben eines Menschen sind sie eine lange Zeit. Du bist noch immer derselbe Mensch wie zur Zeit Deiner Priesterweihe, und dennoch ein anderer. Eine unglaubliche Fülle von Erfahrungen, Begegnungen, Gesprächen, Gedanken und Erkenntnissen liegt hinter Dir, die Dich geprägt haben, die Dich an den Punkt geführt haben, an dem Du heute stehst."
„Unsere Stadt blickt auf eine lange Geschichte im Miteinander von Kirche und kommunalem Leben zurück", führte die SPer OBin Stefanie Seiler aus. Von den zentralen gesellschaftlichen Institutionen wie der Kirche werde heute erwartet, dass sie sich ihrer Rolle bewusst sind. Gerade mit Hinblick auf demokratische Grundwerte, den sozialen Zusammenhalt und den respektvollen Umgang miteinander. In einer Zeit zunehmender Polarisierung brauche es klare Stimmen gegen Ausgrenzung, gegen Gleichgültigkeit und gegen menschenfeindliche Ideologien. Seiler abschließend. „Es ist schön, dass es Sie gibt, und es ist wichtig, dass Sie bei uns sind." Text. is.