Die entsprechenden Grundsatzbeschlüsse in den jeweiligen Gemeinderäten seien gefallen. Nun erfolge öffentlich die gemeinsame Absichtserklärung und direkt anschließend gehe es an die Details und die Realisierung.
Arztpraxis wird nicht vom Himmel fallen.
Den ersten Anstoß habe die ersatzlose Schließung einer Hausarztpraxis im Sauertal (VG Dahn, wir berichteten) gegeben, erinnerte einleitend Holger Zwick. „Wir haben dann mit der KV (Kassenärztliche Vereinigung) gesprochen. Ihr könnt euch bewerben, aber eine Praxis wird nicht vom Himmel fallen", sei von dort sinngemäß zu hören gewesen. „Der ‚GAU' war dann die Schließung einer dritten Praxis. Jetzt haben wir die Situation, wer krank ist und nicht mobil ist, muss den Notarzt rufen. So wird zudem das Notarztsystem verstopft."
Ärzte wollen Entlastung von Bürokratie.
„Wir sind gezielt zu jungen Medizinern gefahren", schilderte Bürgermeister Zwick. „Unisono" sei erklärt worden, sie wollen sich nach der Sprechzeit nicht mit Bürokratie herumschlagen. „Wir möchten an Menschen arbeiten", sei zu hören gewesen. Es werde bevorzugt, im Team zu arbeiten sowie erfahrene Kollegen als Ansprechpartner zu haben. Dem käme entgegen, dass niedergelassene Ärzte der Region, die in absehbarer Zeit in Rente gehen dürften, signalisieren würden, sie könnten sich vorstellen in einem MVZ mitzuarbeiten, „aber nicht mehr 70 Stunden pro Woche".
Keine Konkurrenz zu bestehenden Praxen.
Ländliche Regionen würden immer mehr abgehängt. „Wir akzeptieren das als VG-Bürgermeister nicht", postulierte Patrick Weißler. Vor diesem Hintergrund sei man auf den Gedanken einer Interkommunalen Zusammenarbeit gekommen. „Wir wollen die Räumlichkeiten stellen, die KV kann dann die Ärzte reinbringen, und wenn das MVZ zu mehr Spezialisierung führt, Kardiologen und so weiter, ist das erfreulich." Keinesfalls soll Konkurrenz zu bestehenden Praxen entstehen. „Wir wollen den Mangel ausgleichen, wenn Praxen aufhören."
Angedacht ist ein Stufenmodell.
Kommerzielle Investoren würden größere Städte bevorzugen, habe man festgestellt. Vor diesem Hintergrund sei beabsichtigt, das MVZ als GmbH der VGs zu gründen, partnerschaftlich und mit gleichen Anteilen. Andere Rechtsformen wie Anstalt des öffentlichen Rechts oder Stiftung seien diskutiert und verworfen worden. „Wir wollen die Anschubfinanzierung machen, Zielsetzung ist Kostendeckung. Gewinne werden nicht zu erzielen sein." Die GmbH ermögliche Gesellschafter dazu zu nehmen. „Optimal wäre wenn Ärztinnen und Ärzte eintreten würden."
Angedacht sei ein Stufenmodell, beginnend in der VG Dahn, „weil es dort brennt". Geeignete Räume habe man im Blick. Wenn dann in der VG Hauenstein die Situation eintritt, will man in der Lage sein, umgehend zu reagieren. Die Größe der Niederlassungen soll dem jeweiligen Bedarf entsprechen. Ziel sei, die hausärztliche Versorgung zu gewährleisten, ob ergänzend auch per mobiler Praxis oder als Sprechzeit im Dorfgemeinschaftshaus werde sich ergeben.
Umsetzung so schnell als möglich. Dicke Bretter bohren.
Die Realisierung soll „so schnell als möglich" erfolgen, Gespräche mit KV und Kommunalaufsicht zeitnah geführt werden. „Wir können das sehr schnell umsetzen, weil wir im Thema tief drin sind." Das Projekt MVZ gelte als „Freiwillige Leistung" (und muss genehmigt werden, Anm. d. Verfassers). Dicke Bretter seien zu bohren, vor allem wegen der Kosten, sehen die Bürgermeister voraus. „Wir müssen das offen transportieren." Man werde sich um Zuschüsse bemühen, bei Land, Kreis und KV. „Es darf nicht ein Ansatz vom Land sein, ob die Gemeinden Geld haben", äußerte abschließend Holger Zwick. „Ich bin überzeugt, dass wir die Kommunalaufsicht dazu bringen", zeigte sich Patrick Weißler optimistisch.