Die spätmittelalterlichen Pestwellen zogen seit Mitte des 14. Jahrhunderts quer durch Europa und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Während für Italien, England, Frankreich und einzelne deutsche Regionen umfangreiche Untersuchungen zur Pest im späten Mittelalter vorliegen, gab es für den südwestdeutschen Raum kurioserweise bis vor Kurzem nichts Entsprechendes. Erst 2025 wurde die lange klaffende Lücke mit einer Studie des Historikers Gerhard Fritz geschlossen.
Diese zeigt nicht nur die Ausbreitungswege und den Umfang der Pest im 14. Jahrhundert, sondern erklärt auch, dass die Pest keineswegs aus dem Nichts kam. Vorausgegangen war eine jahrzehntelange schwere Klimakrise, wodurch die Grundlagen der damaligen Welt zutiefst erschüttert worden waren und die schon allein Hunger und Elend über die Menschen gebracht hatte. Hinzu kamen endlose Kriege, die die sowieso schon Geschundenen weiter quälten. Und dann kam noch die Pest, der die damalige Medizin völlig hilflos gegenüberstand. Die Überlebenden waren nicht mehr dieselben wie zuvor. Die Mentalität der Menschen änderte sich und damit auch die Frömmigkeitsformen. All die Entwicklungen und seine für Südwestdeutschland erhobenen Befunde stellt Prof. Dr. Gerhard Fritz (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd) in seinem Vortrag „Pest, Krieg, Klima, Wirtschaft. Die Krise des 14. Jahrhunderts" vor. Text. sp.