Dr. Jens-Ove Heckel, Direktor und Tierarzt des Zoo LD in der Pfalz und Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), ist Teil einer Gruppe von 31 internationalen Wissenschaftlern, die nun erstmals einen konkreten Fahrplan vorlegt, um die drohende Ausrottung zu verhindern. Die Studie ist aktuell in der sehr renommierten Fachzeitschrift Nature Reviews Biodiversity erschienen.
Eine der rasantesten Ausrottungskrisen.
Seit die ASP Ende 2018 erstmals in China auftrat, hat sich das Virus in kurzer Zeit über Asien ausgebreitet. Die dort heimischen Wildschweinarten waren zuvor nicht mit dem Erreger konfrontiert. Für einige Populationen sind die Folgen verheerend.
Frühwarnsysteme & Erhaltungszucht.
Die Wissenschaftler benennen acht zentrale Maßnahmen, mit denen Regierungen, Zoos und Naturschutzorganisationen gegensteuern können. „Wir erleben hier eine der rasantesten Krisen, die jemals eine ganze Gruppe von Säugetieren mit Ausrottung bedroht hat. Das Zeitfenster zum Handeln wird bei einigen Arten bereits sehr klein“, befürchtet Heckel. Besonders dringend sind demnach Frühwarnsysteme für ASP-Ausbrüche, der schnelle Ausbau von Erhaltungszuchtprogrammen und sofort verfügbare Notfallfinanzierungen.
Auf Inseln ist die Lage besonders dramatisch.
Besonders gefährdet sind die Wildschweinarten der Inselwelt Südostasiens. Auch auf den Philippinen kommen mehrere Arten nur auf einzelnen Inseln vor. Dazu zählen die Visayas-Mähnen- bzw. Pustelschweine, die unter anderem im Zoo LD gezüchtet werden und sonst in der Natur nur noch in kleinen Restbeständen auf Negros und Panay leben. Noch fehlt für mehrere Arten eine formelle IUCN-Bestandsbewertung. Gleichzeitig gibt es bislang nur für fünf der zwölf endemischen Arten Populationen in menschlicher Obhut. Einige dieser Bestände sind noch zu klein, um die genetische Vielfalt langfristig zu sichern. „Wir dürfen nicht warten, bis eine Art unmittelbar vor der Ausrottung steht. Erhaltungszucht muss beginnen, solange noch ausreichend Tiere und genetische Vielfalt vorhanden sind“, mahnt Heckel. „Zoos können dabei eine entscheidende Sicherungsoption, gleichsam Rettungsboote, für das Überleben bedrohter Arten bilden.“
Wenn mit den Wildschweinen ganze Ökosystemfunktionen verschwinden.
Der Verlust der Tiere wäre weit mehr als das Verschwinden einzelner Arten. Wildschweine verbreiten Samen, sind Lebensraumgestalter und eine wichtige Nahrungsgrundlage für große Beutegreifer wie Tiger und Leoparden. Für zahlreiche lokale und indigene Gemeinschaften haben sie zudem eine wichtige Bedeutung für Ernährung und Kultur. „Wenn eine solche Art verschwindet, verlieren wir nicht einfach eine weitere Tierart aus der Natur. Wir verlieren ein einzigartiges Stück Evolution und zugleich wichtige Funktionen innerhalb eines Ökosystems“, sagt Heckel.
ASP ist längst keine reine Frage der Schweinehaltung
Die Autoren fordern deshalb einen koordinierten „One-Health“-Ansatz, der Naturschutz, Veterinärmedizin, Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und lokale Gemeinschaften zusammenbringt. Denn die ASP betrifft inzwischen nicht nur die Schweinehaltung, sondern auch Biodiversität, Ökosysteme, Ernährungssicherheit und menschliche Lebensgrundlagen. Die wirtschaftlichen Schäden für die Schweinezucht werden allein auf bis zu 192 Milliarden US-Dollar geschätzt. Text. sp.
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