Bernhard Vogel war dem Bistum Speyer und insbesondere dem Kaiser- und Mariendom stets eng verbunde. Insbesondere durch seine Mitarbeit im Kuratorium der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, dem er seit dessen Gründung im Jahr 1999 angehörte. Außerdem war er Vorstandsmitglied der St.-Dominikus-Stiftung.
Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Domchor Speyer unter der Leitung von Markus Melchiori geleitet, die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub.
Unbeirrbare Unerschütterlichkeit seines Glaubens.
Bischof Karl-Heinz Wiesemann erinnerte sich zu Beginn seiner Predigt an ein Gespräch mit Bernhard Vogel. „Lieber Herr Bischof, haben Sie Mut und Vertrauen. Die Kirche wird auch die heutigen Krisen überstehen. Vergessen Sie nicht, was ihr verheißen ist. ‚Die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.'" Bernhard Vogel habe diese Worte in seinen letzten Lebensjahren mehrmals an ihn gerichtet. Und er habe die Worte „mit ihrer so sympathisch mitfühlenden Wärme und authentischen Ausstrahlung noch bis in die Klangfarbe hinein im Ohr".
Vogel habe ihm in Zeiten, in denen es ihm innerlich schlecht gegangen sei, Hilfe angeboten, er habe ihn verstanden. Denn „auch er litt mit und an seiner Kirche, die für ihn von Kindheit an (...) eine innere Heimat war, der er als kritisch-loyaler Katholik und zutiefst aus christlichen Werten denkender und lebender Mensch ein Leben lang unerschütterlich verbunden war".
Vogels politisches Engagement sei zeitlebens von seinem kirchlichen Engagement geprägt gewesen, „das die neuere Kirchengeschichte in unserem Land nicht unwesentlich mitgeprägt hat" – ob als Präsident des Essener Katholikentages 1968, als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke, als Mitglied der Synode in Würzburg oder als Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Bischof Wiesemann weiter: „Und hier in seiner Stadt Speyer, die ihm mehr als die Hälfte seines Lebens lang wesentlicher persönlicher Wohn- und Rückzugsort war, in der Schulstiftung der Dominikanerinnen oder auch von Anbeginn im Kuratorium der Europäischen Stiftung Kaiserdom."
Der Dom. Für Vogel eine Stein gewordene Polis.
Für Bernhard Vogel sei der Speyerer Dom Stein gewordene Vergegenwärtigung einer „Polis" gewesen, in der Gott inmitten der Menschen wohnt. „Der Speyerer Dom war für ihn ein sichtbares Zeichen dafür, dass alles geschichtliche Auf und Ab von etwas Bleibendem, Unzerstörbaren getragen wird. Bernhard Vogel lebte ganz existentiell aus der christlichen Hoffnung."
Ungebrochen positive Einstellung zum Leben.
Ungemein beeindruckt an Bernhard Vogel habe ihn, betonte der Bischof, „diese unbeirrbare Unerschütterlichkeit seines Glaubens, seine im tiefsten ungebrochen positive Einstellung zum Leben, zum Schöpfer des Lebens und zur konkreten kirchlichen Gemeinschaft im Glauben an diesen Gott des Lebens, nie konfessionell verengt, aber immer, auch in kritischen Zeiten, verbunden mit seiner Kirche". Sein ganzes politisches Leben sei durch einen „unerschütterlich verfolgten, christlichen Wertekompass, der ihn etwa durch seinen Mut, Menschenrechtsverletzungen deutlich zu benennen, auch die Achtung politisch nicht unbedingt gleichgesinnter Kreise einbrachte", geleitet gewesen. Unermüdlich sei er ein Leben lang für Land und Leute unterwegs und aktiv gewesen. „Zuhören und miteinander verbinden – das war sein leidenschaftlich politisches, aus Liebe zum Land und den Menschen aber unideologisches Credo. Vertrauen und Freundschaft, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit waren ihm heilig."
Christliche Politik. Die Kraft der Hoffnung.
Bischof Wiesemann. „Vielleicht ist das das Stärkste und Wichtigste, was christliche Politik der Welt von heute mitgeben kann. Die Kraft der Hoffnung, die mit dem Himmel die Zukunft offenhält und nicht denen überlässt, die mit der Angst der Menschen ihr menschenverachtendes Machtspiel treiben." Bernhard Vogel gehöre zweifelsohne in die große Reihe christlicher Politiker, die ein anderes Deutschland und Europa aufbauen wollten, das von der Achtung vor der unantastbaren Würde jedes Menschen und von der Bereitschaft zu Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit unter den Völkern geprägt ist. „Unsere Zeit braucht Menschen, die ein klares inneres Gegengewicht zu den aktuell wirkenden zentrifugalen Kräften entschlossen in sich tragen."
Respekt und Dank über den Tod hinaus.
Bernhard Vogel engagierte sich in seinem Leben für viele Gremien und Projekte, und ging auch als Politiker in die Geschichte ein. Sein vielfältiges Wirken wurde in verschiedenen Nachrufen deutlich.
Dr. Irme Stetter-Karp. Vogel begründete politischen Katholizimus.
„Bernhard Vogel war ein Homo Politicus ersten Ranges. Er war ein zugewandter Mensch. Und er war ein Katholik im Vollsinne des Wortes. Allumfassend in seinem Denken. Brücken bauend, wo immer möglich. Kraftvoll in seiner Art, Ämter auszufüllen und die in ihnen liegenden Möglichkeiten zu nutzen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte die Ehre, ihn für vier Jahre als seinen Präsidenten zu erleben. Als Bernhard Vogel 1972 Präsident des ZdK wurde, begann eine neue Ära im höchsten deutschen Laiengremium der katholischen Kirche. Sie war geprägt von prägnanten, in landespolitische Verantwortung gehenden oder aus ihr kommenden Persönlichkeiten. Bernhard Vogel begründete qua Amt einen politischen Katholizismus der 1970er Jahre, dessen Faden die ihm Nachfolgenden aufnahmen. Es war ein politischer Katholizismus der Eigenständigkeit und der Verantwortungs-Übernahme für gesellschaftliche Fragen, ein politischer Katholizismus des kritischen Denkens und des offenen Wortes (...)“, sagte die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Ministerpräsident a.D. Kurt Beck. „Wir alle haben Verantwortung für unsere Gesellschaft.“
„Wir wollen diese Begegnung nutzen, um dankbar zu sein. Dankbar für eine Persönlichkeit, die Herausragendes in der Politik geleistet. Hier in unserem Land Rheinland-Pfalz, als Abgeordneter, als Minister, als Ministerpräsident. Und dann, in einer ganz besonders herausfordernden Zeit für Deutschland, in Thüringen. Bernhard Vogel hat wichtige Beiträge geleistet, um unser Land zur Gemeinsamkeit zu führen, und wir alle haben sicher aus dieser Zeit sein Wort noch im Ohr, als er immer von den ‚jungen Ländern' gesprochen hat, um deutlich zu machen, dass nichts Neues zusammengekommen ist, aber etwas, das neue Chancen bietet, und Gemeinsamkeit dann auch für unser ganzes Volk bedeuten kann. Bernhard Vogel hat allzu häufig, und ich finde immer zu Recht, gemahnt, dass wir alle auch Verantwortung für unsere Gesellschaft haben. Für ihn hat das immer besonders auch für kirchliches Engagement gegolten(...) Ich durfte Bernhard Vogel an vielen Stellen des gesellschaftlichen Engagements immer wieder begegnen. Jede dieser Begegnungen hat etwas gegeben, ganz persönlich und über jede parteipolitische Grenze hinweg. Und das ist eine Gabe, die er hatte, die einem Respekt abwürdigt“ würdigte Beck als Kuratoriumsvorsitzender der Europäischen Stiftung Kaiserdom den Verstorbenen.
Sr. Gertrud Dahl. Bildung war ihm ein Herzensanliegen.
„Bernhard Vogel hat dem Vorstand der St.-Dominikus-Stiftung Speyer seit ihrer Gründung im Jahr 2003 und bis zum Jahr 2022 angehört. In diesen fast 20 Jahren wurden im Vorstand weitreichende Entscheidungen getroffen. Ob Leitbildprozess, Satzungsänderungen, Vermögensverwaltung – Bernhard Vogel hat unsere Vorstandssitzungen nicht nur mit seinem unermesslichen Fach- und Erfahrungswissen bereichert. Er schaffte es, in einzigartiger Weise versöhnlich und vermittelnd aufzutreten und zugleich in Sachfragen klar Stellung zu beziehen. Bildung war Bernhard Vogel ein Herzensanliegen und als praktizierender Christ war ihm besonders am Fortbestand katholischer Privatschulen gelegen. Auch unsere Jugendhilfeeinrichtungen, unser Krankenhaus und das Hospiz waren Bernhard Vogel wichtig (...)“, so die Vorstandsvorsitzende der St.-Dominikus-Stiftung Speyer.
Stefanie Seiler. „Brückenbauer zwischen Ost und West.
„Der Tod von Bernhard Vogel macht auch uns in Speyer sehr betroffen. Zeit seines Lebens hat sich Bernhard Vogel in unterschiedlichen politischen Ämtern in herausragender Weise für die Belange der Domstadt eingesetzt und wurde dafür anlässlich seines 70. Geburtstags mit dem Speyerer Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet. Aber nicht nur für unser Bundesland, sondern auch in seinem Amt als Brückenbauer zwischen Ost und West hat sein unermüdlicher Einsatz Spuren hinterlassen. Geleitet von seinem unerschütterlichen Glauben an unsere demokratischen Werte und seine Verpflichtung gegenüber den Bürgern hat der ehemalige Ministerpräsident stets auf Dialog und Konsens gebaut. Sein Engagement für soziale Gerechtigkeit und die Einheit unseres Landes spiegelt die Prinzipien unseres Grundgesetzes wieder und wird, so bin ich mir sicher, auch über seinen Tod hinaus weiterwirken", sagte die Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer. Text. is.