„Wie wertvoll Kultur ist, sehen wir immer wieder bei den Ausstellungen in unserem Kreishaus, so auch ab heute wieder“, betonte Landrat Dietmar Seefeldt in seiner Begrüßung. Jedoch gebe es in Deutschland Strömungen, die die Gesellschaft spalten, Minderheiten angreifen und die Kultur zu kontrollieren versuchen. Umso wichtiger sei es, dagegen zu halten. Auch aus dem Grund, dass Kultur auch weiterhin frei und laut sein könne.
Zwei Stockwerke, zwei künstlerische Welten.
Während Natascha Brändli im Erdgeschoss des Kreishauses bis einschließlich 16. Oktober neben filigranen Zeichnungen auch farbenfrohe Ölgemälde zeigt, wie „das große gelb“, das von einem Bienenstock inspiriert ist, hängen im Obergeschoss Werke, die regelmäßige Leser einer regionalen Sonntagszeit sind“ aus der Rubrik „Alltagsmanager“ kennen. Seit bereits 19 Jahren zeichnet Brändli passend zum jeweiligen Thema Mitglieder einer farbenfrohen Familie, mit denen sie sich nach eigener Aussage sehr verbunden fühlt.
Auch vor neuen Technologien schreckt Natascha Brändli nicht zurück, wie Auer bemerkte. So sei sie 2017 wohl eine der ersten Künstlerinnen in der Region gewesen, die einen 3D-Drucker nutzte, um Zeichnungen im dreidimensionalen Raum analog per Hand geführt zu zeichnen. Sie zeichnet zudem auch mit ihrer autarken VR-Brille in der Virtuellen Realität dreidimensionale, mit dieser Brille begehbare Zeichnungen. Gleichzeitig sei sie ein „sehr analoger Mensch“ und eine Liebhaberin von klassischem Graphit auf Papier. Seit ihrem Modedesign-Studium in Pforzheim nutze sie am liebsten einen Druckbleistift in der Ausführung 2B, 0,9 Millimeter. Ob Bleistift oder Filament. Die größte Herausforderung ihres künstlerischen Schaffens bestehe darin, mit sich selbst verbunden zu sein, so Brändli.
Draht als verbindendes Element.
Als „Linie der dritten Dimension“ und als verbindendes Element zwischen den beiden Stockwerken im Kreishaus dient das Werk „sleep“. Sieben je sechshundert Gramm schwere Ovale hängen in einem Konglomerat aus Messingdraht von der Decke des Kreishauses. Der Titel ist inspiriert von Pottwalen, die aufrecht in Gruppen schlafen. In Wirklichkeit steht für Brändli das Oval symbolisch für den Menschen. Der im Ursprung 600 Meter lange Messingdraht war 2023 bei der „Radiale – Kunst im Kreis“ als „bienenflut – eine wiesenzeichnung“ über ein Jahr auf der Wiese am grünen Hang der Burgfeste Dilsberg installiert. Er habe so die vier Jahreszeiten in sich gespeichert und trägt entsprechende Spuren mit sich, berichtete Brändli.
Diese Drahtzeichnung brachte die Künstlerin dann auch mit Hilfe eines Stabs zum Klingen. Es war der Auftakt für den gemeinsamen Zeichenmoment, in dem die Besucher der Vernissage eine Linie auf eine Postkarte zeichnen konnten. In welcher Form unterlag ganz dem eigenen Gusto. Im Anschluss brachte Natascha Brändli die gesammelten Werke in einem neuen Kunstwerk mit Namen „Gemeinsam eine Linie ziehen im Tempo des Atems“ an einer Wand des Kreishauses an und eröffnete damit die Ausstellung.
Öffnungszeiten.
Die Schau ist noch bis 16. Oktober zu sehen. Montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Text. sp.
23.09.2026 - Vernissage. Im Kreishaus. Ausstellung von Natascha Brändli.
Künstlerin Natascha Brändli (links) erläuterte im Gespräch mit Barbara Auer, worauf es ihr bei ihren künstlerischen Werken ankommt. Foto. KV. SÜW.
Lesezeit: 02:25 Minuten
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