24.03.2025. Der Ton macht die Musik. Sein Takt den gewissen Unterschied. Peter Kusenbach hört auf. Piano. Sein Werk bleibt. Die Bläserklassen.

Peter Kusenbach in seinem Wohnzimmer in Kapsweyer. Klar. Piano, Harfe und Alphorn. Muss ja nicht alles gespielt werden, obwohl er es tut, aber schön anzuschauen sind die Instrumente allemal. Foto. rw.

Begegnet. Von Robert Wilhelm.

KAPSWEYER. Er zählt 71 Lenze. Nein. Das Alter sieht man dem Träger des Bundesverdienstkreuzes nicht an. Noten sind sein Jungbrunnen. Es funktioniert. Wir treffen den Maitre, der in Spitzenzeiten 13 Chöre und weiteren Musik-Formationen vorstand, etliche von ihnen gründete und die Musik zu dem machte, was sie in seinen Augen und Ohren ist. Etwas Schmeichelndes, etwas Schönes, etwas Inspirierendes und Motivierendes. In allen Lebensbereichen etwas Verbindendes. Und Peter Kusenbach weiß, von was er berichtet. Der Mann, der in einer schönen und ganz ruhigen Ecke in Kapsweyer wohnt, hört nach einem halben Jahrhundert Taktgeben auf. Nicht sofort und nicht mit einem Schlag. Aber das Einläuten des Endes hat begonnen. Sein erstes Abschiedskonzert hat er dieser Tage in Dierbach gegeben. Aber eines wird bleiben. Und das jenseits der Chöre. Peter Kusenbach hat den Musik-Unterricht in Deutschland nachhaltig revolutioniert. Dazu später mehr.

Lesezeit: 03:54 Minuten

13 Chöre in der Hochzeit. Das hieß mindestens zwei Singstunden im Schnitt an einem Abend. 50 Jahre lang. „Dazu kam ja noch ,so nebenbei' die Schule“, scherzt Kusenbach im Gespräch mit suewpress.de. Musik-Unterricht. Big Band und weitere Formationen wollten vormittags ja auch gemeistert werden. Und Kusenbach hat meisterhaft gegeben. Ein Vorbild. Immer auf den Punkt konzentriert. Aber vor allem eines: Er war immer für seine Schüler da. Und sie gaben es ihm und sich selbst zurück. Gute Noten auch in anderen Fächern, Disziplin und Durchhaltevermögen. Nicht wenige seiner Schützlinge seien selbst Musiker geworden. Gerade viele aus der Big Band. Dazu. Auch seine 3 Kinder haben wie der Vater den Lehrberuf ergriffen. Wie gesagt. Ein Vorbild. In irrsinnigen vielen Bereichen auch jenseits der Musik.

Innere Struktur. Wie gemeißelt.

Das merkst Du, wenn Du das Haus des Musikus betrittst. Modern. Trotz unzähliger Instrumente wie Harfe, Alphorn, Klaviere, Trompeten, Posaunen, und, und, und, die allgegenwärtig im ganzen Haus verteilt sind, ist es extrem aufgeräumt. Eine Klarheit, eine Ordnung, die Halt gibt, was sich im von Kusenbach selbst angelegten Garten nahtlos fortsetzt. Struktur pur, gepaart mit der Leichtigkeit der Musik. Konzentration. Immer 100 Prozent in entspannter Atmosphäre, die Kusenbach einfach verkörpert. Authentisch. Aber nie alleine für sich selbst. Fast immer in der Gemeinschaft.

Nur viele Töne ergeben eine Melodie.

Denn nur viele Töne ergeben eine Melodie. So vielfältig sind auch die ganzen anderen Interessen, bei denen er sich manches Mal selbst wundert, wie er das alles schafft. Nee, tut er eigentlich nicht. Er macht einfach. Und das dann von A bis Z. Vorher wird nicht aufgehört. Alles, was Kusenbach anpackt, hat Hand und Fuß. Und das geht er ganzheitlich an. Musik ist das Zentrum seines Lebens. Aber sie ist kein in sich abgegrenzter Almanach, sondern verbindet so viele Lebensbereiche. Und den einen ganz zentralen Punkt in seiner Denke. Das Verbinden von Menschen als Organismus.

Der Busfahrer.

Kusenbach fährt Bus. So richtig. Rückhaltlos unterstützt vom ortsansässigen Reiseunternehmen Friedmann, das ihm quasi einen ganzen Reisebus überlassen hat, der, wen wundert's in den SÜW-Schulbusfahrplan Eingang fand. Über Jahrzehnte hat Kusenbach die Viehstrich-Schul-Kinder morgens eingesammelt und ins Alfred-Grosser-Schulzentrum gebracht, unterrichtet, und am Nachmittag wieder in den Heimatdörfern abgeliefert. Mit dem Bus fuhr und fährt er mit Schülern deutschland- und europaweit zu Konzerten. Die Instrumente waren fest verstaut. Er steuert für das sponsernde Unternehmen auch einfach mal so eine Reisegesellschaft durch die Alpen, unternahm auch Fernreisen mit der Big Band. Beispielsweise auf die Kanaren, wo ein weiterer Gönner und Sponsor seine stacheligen Schützlinge groß- und verkaufsfertig zieht. Die Familie Beisel, die das Kakteenland in Steinfeld betreibt, hatte stets ein offenes Ohr für Kusenbachs Tun.

Der Team-Player.

„Ich bin ein Team-Player“, sagt der Mann, der über den 2. Bildungsweg zu höheren schulischen und akademischen Weihen und wie die Jungfrau zum Kinde zur Lehrerstelle in der damals noch recht rückständigen Südpfalz kam. Der Mann, der anfangs als Büroangestellter in einem Musik-Geschäft im Rheinland zu verkümmern drohte, ging nach dem Wehrdienst (als „Journalist“ mit eigener Sendung beim Bundeswehr-Radio) das Musikstudium in Andernach an. Am Ende hieß es: Südpfalz oder keine Stelle. Flugs ging's mit Sack & Pack und Ehefrau zunächst nach Schaidt, dann bis heute nach Kapsweyer und beruflich ans Alfred-Grosser-Schulzentrum.

So fing alles an. Mit den Chören in Niederotterbach, Mühlhofen, Schweighofen, etc. Ach ja, Kreischorleiter SÜW war Kusenbach dann auch noch.

Bahnbrechend. Bläserklassen. Der berufliche Meilenstein.

Die großartigen Aktionen Kusenbachs wie seine Musikreisen mit Schülern durch halb Europa und in die USA, dem Bau einer Kirche in Indien, dem Bezwingen von 6000ern in Nepal oder die perfekte Märklin-HO-Landschaft im Dachgeschoss im heimischen Kapsweyer. Das ist das eine.

Musikerziehung revolutioniert.

Sein wohl größter Verdienst ist und bleibt die Revolution in der deutschen Musik-Erziehung in den Schulen. Er, Peter Kusenbach, war es, der gegen viel Widerstand, ein komplett neues System installierte, das von dem kleinen BZA aus seinen Siegeszug durch ganz Deutschland antreten sollte und heute gängige Praxis ist. Die sogenannten Bläserklassen. Das Prinzip stammt aus den USA. Schüler/Schulklassen können bei ihrer Einschulung in die weiterführende Einrichtung ein Instrument auswählen. So werden Klassen gebildet, in denen jeder Schüler ein Instrument spielt/erlernt. Ein Mordsschub für das Selbstvertrauen der jungen Leute, bessere Noten in anderen Fächern, mehr Leistungsbereitschaft sich einzubringen. In die (Klassen-)Gemeinschaft.

In diesem Zusammenhang kommen wir hier mit der gelebten Lebensphilosophie von Peter Kusenbach zum Ende. „Unsere Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn man sich einbringt.“ Auf den Punkt gebracht.

Ein Büro. Voll mit Ordnern. Für alle Chöre, Gruppen, Musikformationen, die Kusenbach unter seiner Fittiche hat(te). Foto. rw.
Ein Büro. Voll mit Ordnern. Für alle Chöre, Gruppen, Musikformationen, die Kusenbach unter seiner Fittiche hat(te). Foto. rw.
Das Musikus-Zimmer im Keller des Kusenbach-Hauses. Tasten, wohin man nur schaut. Und ganz oben hinten an der Wand hängen die Beatles. Foto. rw.
Das Musikus-Zimmer im Keller des Kusenbach-Hauses. Tasten, wohin man nur schaut. Und ganz oben hinten an der Wand hängen die Beatles. Foto. rw.
Eines der etlichen anderen Hobbys von Peter Kusenbach. Märklin H0. Und auch hier immer am Puls der Zeit. Er fährt zweigleisig. Analoge, aber auch digitale Steuerungstechnik. Und das in Kombination. Der Mann liebt Herausforderungen. Foto. rw.
Eines der etlichen anderen Hobbys von Peter Kusenbach. Märklin H0. Und auch hier immer am Puls der Zeit. Er fährt zweigleisig. Analoge, aber auch digitale Steuerungstechnik. Und das in Kombination. Der Mann liebt Herausforderungen. Foto. rw.
Klein, aber fein. Ein besondere Art Danke zu sagen. Ein Modellbus des ortsansässigen Reiseunternehmens Friedmann, das Kusenbach immer wieder für die Konzerte mit seinen Schülern einen Bus zur Verfügung stellt, mit dem er auch Jahre lang Schüler nach BZA und wieder zurück gefahren hat.
Klein, aber fein. Ein besondere Art Danke zu sagen. Ein Modellbus des ortsansässigen Reiseunternehmens Friedmann, das Kusenbach immer wieder für die Konzerte mit seinen Schülern einen Bus zur Verfügung stellt, mit dem er auch Jahre lang Schüler nach BZA und wieder zurück gefahren hat.
Peter Kusenbach lässt los. Musik wird weiter eine große Rolle in seinem Leben spielen. Aber jetzt hat die Familie den Vortritt. Vor allem die Enkel. Foto. rw.
Peter Kusenbach lässt los. Musik wird weiter eine große Rolle in seinem Leben spielen. Aber jetzt hat die Familie den Vortritt. Vor allem die Enkel. Foto. rw.

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