Dass dem so ist, bewies die Anzahl an Gästen. Für eine so recht kleine Gemeinde mit rund 1200 Einwohnern und seit Jahrzehnten FWG-Hochburg kamen sodoch an die 80 Gäste zum Neujahrsempfang der CDU.
Genau darauf hob Hauptredner Dietmar Seefeldt ab. Der Amtsinhaber will am 23. Februar erneut ins Landratsamt An der Kreuzmühle einziehen. Und zeigte auf, was unter seiner Ägide begonnen wurde, was er gerne weiter verfolgen wolle.
Ziehen alle an einem Strang.
Nach der Begrüßung des BZA-CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Horst Schwarz, der stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsvereins Weinstraße Süd, Ruth Hänling, begrüßte Hausherr und 1. Beigeordneter Heinz Beck (FWG), die Gäste und betonte, dass es doch darum gehe, dass alle an einem Strang zögen, um eine funktionierende Dorfgemeinschaft und ein lebenswertes Dorf als Heimat zu haben. Und das gelinge in Oberotterbach, wofür er insbesondere auch der CDU danke.
MdL Sven Koch. Nicht bange machen lassen.
Der Südpfälzer CDU-Mann (Herxheim) in MZ schaute denn auch zuversichtlich auf die positive Seite. Auch, wenn es derzeit so rüber komme, „dass unser Land“ am Abgrund steht“. Nein, so Koch. RLP, insbesondere die Südpfalz stünden gut da. Im Fokus dabei das Ehrenamt. „Ich bin unglaublich stolz über das ehrenamtliche Engagement. Das mache die Gemeinden und die Region noch attraktiver, so Koch. Sein Fazit. „Unsere Gesellschaft funktioniert.“
Seefeldt. CDU steht für Werte.
Auf dem Punkt gebracht. Dem Mann gelang der Drahtseil-Akt zwischen dem Amt als Landratamt und Wahlkampf. Insebesondere zielte er auf das Spektrum möglicher AfD-Wähler, die sonst konservativ und werte-orientiert gewählt haben. Auch wenn viele dächten, Werte seien nicht mehr ,in'. „Wir, die CDU legen darauf wert“, so Seefeldt und schielte dabei auf die Bundestagswahl, die ebenfalls am 23. Februar stattfindet. Aufgrund der Neuordnung der Wahlkreise sei die Gefahr gegeben, dass, wenn der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart nicht im Direkt-Mandat gewinne, die Südpfalz von nur einem Abgeordneten in Berlin repräsentiert werde. Gemeint ist AfD-MdB Bernd Schattner. „Das können wir nicht wollen“, so Seefeldt.
Viel vor in den nächsten 8 Amtsjahren.
Es gelte so vieles auf den Weg Gebrachtes voranzutreiben oder gar zu Ende zu bringen. So habe sich die SÜW verpflichtet bis 2050 energietechnisch komplett auf erneuerbaren Ressourcen umzurüsten, sich selbst zu versorgen. „Ein ambitioniertes Ziel“, so Seefeldt. Aber. „Wir schaffen das.“
Bahn & Radwege.
Thema Schiene. Das stehe weit oben auf der Agenda. Allen Voran müsse „die Deutsche Bahn ihr Netz auf die Reihe bringen“. Insbesondere der Südkreis sei stark betroffen. Züge fielen aus, aber dann funktionierte oft der Busersatzverkehr nicht.
Radwege. Pendlerroute. „sehr komplexes Thema“, so Seefeldt. Zwar sei es grundsätzlich schon heute ohne Probleme möglich von LD nach Weißenburg mit dem Rad zu gelangen. Aber zum Thema schnelle Pendlerroute meinte er. „Da müssen dicke Bretter gebohrt werden. Das ist nicht so einfach.“
ÖPNV. Modellwechsel im Gange.
Der Kreis SÜW sei gerade dabei, die so genannte Flexline auszubauen. Im Norden des Kreises sei das Ganze erfolgreich angelaufen. Nicht mehr große, nach festem Fahrplan verkehrende Linienbusse, sondern kleinere, nach Anmeldung bestellte Fahrzeuge brächten die Menschen von A nach B. Funktioniere das Modell, solle das System auch auf den Süden des Landkreises ausgedehnt werden.
Thema Wirtschaft.
„Wir gehen nicht so guten Zeiten entgegen“, so Landrat Seefeldt. Hier sei der Staat mit Förderungen gefragt. Aber auch damit, Möglichkeiten zu schaffen, dass die Gemeinden selbst sich entwickeln könnten. Kaum eine Gemeinde wie Oberotterbach habe in den vergangenen Jahren das Glück gehabt, noch ein Neubaugebiet ausweisen zu können. Stichwort Flächenversiegelung. Andererseits könne es in Zukunft nicht blind wie früher so weiter gehen mit dem Flächenverbrauch. Dabei nannte er als Beispiel seine Heimatgemeinde Offenbach. In den 1970er Jahren hatte das Dorf rund 3500 Einwohner. Heute seien es doppelt so viele.
Weinwirtschaft. Mal beim Griff ins Regal nachdenken.
In diesem Zusammenhang appellierte der Landrat an die Bürger in Sachen Wein. Die Winzer hätten zu kämpfen. europa- und deutschlandweit gingen die Umsätze zum Teil deutlich zurück. Der Kunde möge sich beim Griff ins Regal im Einkaufsmarkt doch mal überlegen, ob er jetzt wirklich eine Flasche Wein aus Südafrika oder Chile in den Einkaufswagen lege. Mit all dem Transport und was da sonst noch alles hinten dran hänge, anstatt die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Oft werde das einfach nicht bedacht, gerade nicht von noch jungen Konsumenten. Aber einfach mal nachdenken.
Bundesweit Ruf erstrampelt.
Besonders stolz zeigte sich Radsport-Fan Seefeldt, dass es gelungen sei vor 3 Jahren ein Rad-Event auf Bundesliga-Ebene zu etablieren, das mit dem SÜW-Cup sehr rasch seinen festen Platz in der deutschen Radsport-Szene manifestiert habe. Mit Start und Ziel am Weintor in Schweigen. Dieses Jahr führe der Parcours erstmals grenzüberschreitend durch das Elsass.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Das Radrennen sei ein positives, wenn auch mit sehr viel Hintergrund-Arbeit versehenes Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Allerdingsgebe es auch Probleme, so Seefeldt. So habe er akut einen Hilferuf vom Krankenhaus in Weißenburg erhalten, in dem auch Pfälzer Kinder das Licht der Welt erblicken. Das Krankenhaus warte bislang noch immer auf Gelder aus 2023, die von deutschen Krankenkassen zugesagt worden seien.
Musikalisch sehr angenehm umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Duo Jennifer Beyer (Gesang) und Fritz Reinhart (Keyboard). Text. rw.