Bernhard Dobbe wirft an dem Abend einen Blick auf das Schicksal von Katharina Detzel, ihre Behandlung in Klingenmünster und ihre Kunstwerke, die zurzeit in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg ausgestellt sind. Er geht auch auf die damaligen Rahmenbedinungen und Akteure der psychiatrischen Versorgung im Vergleich zu heute ein.
Das Schicksal.
Katharina Detzel wurde 1908 nach einem „Eisenbahntransport-Gefährdungsversuch“ verhaftet und wegen eines vermeintlichen psychischen Ausnahmezustandes nach Klingenmünster überführt. Obwohl sich ihr Gesundheitszustand besserte, verweigerte die ärztliche Leitung der Patientin 18 Jahre lang die Entlassung. Trotz Gewalt und Entmündigung ließ sie sich nicht unterkriegen. So erkämpfte sie sich immer wieder Freiräume zur Selbstbestimmung und fertigte Kunstwerke an, unter anderem eine große männliche Puppe aus Stroh, die auch in Heidelberg zu sehen ist.
1926 gelang ihr nach mehreren Versuchen die Flucht in die alte Heimat Luxemburg, wo sie einige Jahre ein selbständiges Leben ohne psychiatrische Verwahrung führen konnte. Ab 1940 geriet sie wieder in psychiatrische Behandlung, wo sie bis zu ihrem Tod mit 88 Jahren bleiben musste.
Zum Referenten.
Bernhard Dobbe ist Diplom-Psychologe und Organisationsentwickler. Er war von 2000 bis 2025 am Pfalzklinikum tätig, zuletzt als Personalratsvorsitzender. Auch über den Ruhestand hinaus engagiert er sich im Gedenkausschuss des Pfalzklinikums und betreut regelmäßig die Ausstellung NS-Psychiatrie in der Pfalz. Seine Fallstudie zu Katharina Detzel möchte er als Buch veröffentlichen. Text. sp.