In der Geschichtswissenschaft nahm man das Sterndeuten mit Befremden wahr, als Ausdruck des abergläubischen Charakters einzelner Protagonisten oder sogar des gesamten Zeitalters. Heute wird dieses Bild revidiert. Die Präsenz – und der Erfolg – der Experten der Sterne erscheinen vielmehr als Ausdruck einer sich entwickelnden Expertenkultur, die für Entscheidungen jeglicher Art Orientierungswissen bereitstellen konnte. Wer sich für die Zukunft wappnen wollte, der musste sich entsprechend beraten lassen. So empfahl es bereits der fiktive Aristoteles in der verbreiteten Ratgeberschrift „Secretum Secretorum" seinem Schüler Alexander dem Großen.
In seinem Vortrag wirft der Referent exemplarische Schlaglichter auf die Präsenz und die Tätigkeit von Astrologen des späten Mittelalters. Dabei geraten herausragende Fürsten wie Friedrich III. und sein Sohn Maximilian ebenso in den Fokus wie berühmte Vertreter des humanistischen Denkens wie etwa der Nürnberger Arzt und Historiker Hartmann Schedel. An ihren Beispielen wird gezeigt, wie die Astrologie zum zentralen Bestandteil der spätmittelalterlichen Kultur avancierte, zugleich aber von ihren Gegnern aus dem Klerus oder der Gelehrtenwelt angefeindet wurde. Dabei lassen sich durchaus Bezüge zu unserer Gegenwart herstellen, denn der Erfolg der Astrologen muss erklärt werden. Und die Parallelen zu heutigen Finanz- und Wirtschaftsexpertisen sind dabei nicht von der Hand zu weisen.
Termin.
Mittwoch, 18. Februar, 18.30 Uhr, im Ratssaal der VG Annweiler am Trifels, Messplatz 1. mit anschließendem Umtrunk im Museum. Text. sp. Foto. Museum.