Die Dimensionen.
Am gestrigen Montagabend haben wir Jung erreicht. Er versteht die ganze Aufregung nicht wirklich. Er will die Fortführung des Familien-Betriebes mit einem neuen Zweig sichern. Mit einem Großmastbetrieb für Hähnchen. Rund 30.000 Stück an der Zahl. Alle 6 bis 8 Wochen sollen sie geschlachtet und neue Kücken von Wiesenhof zum Mästen geliefert. 30.000 bis 40.000 ist die gängige Großmastbetriebs-Größe in Deutschland.
Die Halle soll einige Hundert Meter ostwärts des Hofes in Richtung Barbelroth entstehen, berichtet Jung. In den Ausmaßen von 100 Metern Länge, 25 Metern Breite und 6 Metern Höhe.
Weitere Fakten.
Widersacher kritisieren nicht nur die Massentierhaltung an sich, sondern auch die möglichen Begleitumstände. Lkw-Verkehr, Beieinträchtigung des Tourismus. Möglicherweise gar Gefährdung der Kurluft im benachbarten BZA. Jung legt folgende Zahlen vor, die das Potenzial der Relativierung in sich bergen. Bei einer Marge von 6-8 Wochen an Mast brauche es 4 bis 5 Lkws, um 30.000 frische Kücken durch den Wiesenhof-Konzern nach Niederhorbach zu bringen. Und sie wieder mitzunehmen. Also 8 bis 10 Lkw-Fahrten etwa alle 6-8 Wochen. So Jung.
Der Mist und die Abluft.
Bei einer Stallung dieser Größenordnung fielen im Jahr etwa 100 Tonnen Mist an. Dieser werde auf den eigenen Feldern zur Düngung ausbracht, so Jung. Dafür wären weitere 4 Lkw-Fahrten im gesamten Jahr nötig. Einem weiteren Kritikpunkt zu entgegnen, konkretisiert Jung im Gespräch das Thema Abluft. Hühnermist und Amoniak. Mit Blick auf die zu verbauende Technik in der Halle werde durch Filteranlagen nahezu alles eingefangen und dann entsorgt.
Keine Gefahr für Kurluft?
Von einer Gefährdung für die heilklimatische Kurluft im benachbarten BZA könne keine Rede sein. So Jung. Immerhin herrscht 20 bis 30 Prozent im Jahr Ostwind, der Geruch/Gestank von Niederhorbach ins westlich gelegene Kurstädtchen tragen könnte.
Zu diesem Punkt gibt auch der tagtägliche Wettermelder des Deutschen Wetter-Dienstes, der BZAer Winzer Stefan Hitziger, Entwarnung. Er glaubt nicht, dass die Abluft, auch eines Massenzuchtbetriebes, sich schädlich auf die Qualität der heilklimatischen Luft in BZA auswirken dürfte. Da diese wohl gar nicht ins Kurtal gelange.
Das weitere Prozedere.
Der Jungmeister stellt im Gespräch klar, dass er den elterlichen Betrieb weiterführen und stärken möchte. „In der freien Wirtschaft würde ich mehr Geld verdienen können. Aber ich möchte den Hof erhalten.“ Nun geht das Thema kommende Woche via Bauvoranfrage in den Gemeinderat. Es geht um ein Investitionvolumen von rund 2 Millionen Euro für den Bau der Halle. So Jung, der aus seiner Sicht nicht, wenn alles glatt läuft, nicht mit einem Bau des Mastbetriebes vor 4 bis 5 Jahren ausgeht.
Bürgerversammlung.
Morgen, Mittwoch, 17.30 Uhr, Fest-Spiel-Haus in Niederhorbach. Dort wird Jonas Jung auch anwesend sein.