09.07.2026 - Traktor-Abenteurer. Im Irgendwo mitten auf dem Balkan.

Inmitten des Balkan, ein Gebirgssee auf 1200 Metern Höhe. Nachts ist das Thermometer auf fast null Grad gefallen. Und das im Süden im Sommer. Foto. Getto.

Von Robert Wilhelm.

OBEROTTERBACH. SERBIEN. Am Montag haben Birgit und Albert Getto auf Ihrer Rückreise von der türkischen Mittelmeerküste nach Oberotterbach die Grenze zwischen Bulgarien nach Serbien passiert. Und heute Nacht gönnen sie sich was. Eine Nacht im Hotel. In der 70.000-Einwohner-Stadt Kraljewo. Mitten auf dem Balkan, rund 150 Kilometer Luftlinie südlich der Hauptstadt Belgrad. Körper erfrischen. Erst Shoppen, dann gut Essen gehen und schließlich in einem ordentlichen Bett erholsamen Schlaf finden. Die eigentliche Herberge auf ihrer Abenteuerreise ist halt ein Wohnwagen aus den 1980ern. Treu, top in Schuss, aber eben ein Wohnwagen. Gezogen von einem alten Deutz-Traktor, Baujahr 1961. 

Lesezeit: 02:21 Minuten

Kommen aus dem Staunen kaum mehr raus. 

Beide kommen auch auf dem Rückweg in die Südpfalz aus dem Staunen nicht heraus. Über die Gastfreundschaft an jeder Ecke, wo sie mit ihrem abenteuerlichen Gespann auftauchen. Gerade am heutigen Donnerstagmittag. Nur ganz kurz für eine Minute anhalten, das Handy checken. Etwa noch 30 Minuten vom Hotel entfernt. Ruckzuck umkreist von vier oder fünf Autos. Gut eine Stunde hat es gebraucht, um die Neugierde der Menschen zu befriedigen. Und mal wieder, war dabei die Welt so klein. Einer der Neugierigen hat einen Bruder, der Dozent an einer KAer Hochschule ist. Live-Schalte nach Deutschland zur Verwandtschaft. Privat ist der Professor Segelflieger. Die spontane Einladung von Albert, doch mal eine Zwischenlandung auf dem Flugplatz in Schweighofen einzulegen, nahm der Mann freudig an. 

„Jeder ist so freundlich. Das kannst Du Dir gar nicht vorstellen. Das ist schon fast peinlich“, berichten Birgit und Albert vom Dienstag. Beim Passieren eines kleinen Dorfes. Die Menschen hätten sie überhäuft mit Lebensmitteln. „Einer brachte selbstgemachten Honig. Ein anderer Aprikosen. Ein Dritter eine Tüte mit Tomaten und Paprika“, schwärmt Albert. „Was Du da erlebst, ist sensationell.“

Natur ist sensationell.

Sensationell auch die Eindrücke von der Natur. Nach der Grenzüberquerung nach Serbien ging es richtig hoch in den Balkan. In den letzten drei Tagen haben sie mit ihrem Gespann (hoch und runter) zirka 5000 Höhenmeter überwunden. Und der alte Deutz schnurrt noch immer wie ein Kätzchen. Die Natur sei atemberaubend. Besonders beeindruckend ein Stausee auf 1200 Metern Höhe. Mit schwimmenden Inseln. Ein Feriengebiet. „Supertoll. Aber kalt“ und das im Hochsommer im Süden. Ganz, aber wirklich ganz knapp über Null Grad Celsius am nächsten Morgen. Birgit und Albert mussten sich sogar beim Start zur Weiterfahrt in eine Decke einwickeln. 

Heute machen sich Birgit und Albert einen schönen Abend. Apropos schönen Abend. Die Restaurant-Preise seien zum Teil sensationell günstig. So seien sie dieser Tage eingekehrt. Ein Kilogramm Lammfleisch, dazu Beilagen. Die Portion reiche locker für 3 Personen. Alles für 10 Euro. Morgen früh geht es weiter. 

Eigenverantwortung der Bürger.

Die vergangenen drei Tage haben Albert erneut bestätigt. Man lerne das Leben auf ganz andere Weise kennen. Was so viel hierzulande in die Hände des Staates gelegt werde, funktioniere dort ganz einfach in Eigenverantwortung durch die Bürger. „Wir sind in Deutschland so gelähmt“, unter anderem durch unzählige Vorschriften und überbordende Bürokratie bilanziert der Traktor-Abenteurer.

Wie es weitergeht. 

In der morgigen Freitagfrüh geht es weiter Richtung Norden nach Kroatien, das noch rund 250 Kilometer entfernt liegt. Das wollen sie in drei bis vier Tagen erreicht haben. „Wir machen es etwas gemütlicher als bei der Hinfahrt.“ Bis in die Heimat sind es noch rund 1500 Kilometer oder in etwa 20 weitere Tage Abenteuer. 

Ein Neugieriger umkreist staunend das abenteuerliche Gespann gleich mehrfach. Foto. Getto.
Ein Neugieriger umkreist staunend das abenteuerliche Gespann gleich mehrfach. Foto. Getto.
Zwischenstopp am heutigen Nachmittag kurz vor der Stadt Kraljewo. Foto. Getto.
Zwischenstopp am heutigen Nachmittag kurz vor der Stadt Kraljewo. Foto. Getto.

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