13.06.2026 - Traktor-Abenteurer. Der Weg ist das Ziel. Auf nach Serbien.

Die Gettos auf großer Fahrt gen türkische Mittelmeerküste. Hier am gestrigen Freitag in Südkroatien. Albert Getto ist begeistert. Hier in einem typischen landeinwärts gelegenen Straßendorf. Grünstreifen mit Einfahrtswegen. Dort und nicht auf den Straßen als störendes Hindernis würden die Autos geparkt. Im Gegensatz zu Deutschland. Foto. Getto.

Von Robert Wilhelm.

OBEROTTERBACH. BALKAN. Die beiden machen ihren Weg und sind in sich angekommen. Birgit und Albert Getto. Aus Oberotterbach, die mit einem alten Deutz-Traktor und einem angehängten Wohnwagen zu ihrem Lieblingsurlaubsort aufgebrochen sind. Der an der türkischen Mittelmeerküste liegende Badeort Side. Seit Tagen durchqueren sie den Balkan. Im Laufe des heutigen Tages wollen sie mit ihrem Gespann Kroatien verlassen und die Grenze zu Serbien passieren. 

Lesezeit: 02:22 Minuten

„Stress haben wir gar keinen“, meldet sich Albert mit völlig entspannter Stimme am späten gestrigen Freitagabend bei der Redaktion von www.suewpress.de. Das Nachtlager in Trinjani war schon aufgeschlagen. Im Laufe des heutigen Samstages wollen die beiden zumindest den serbischen Grenzort Sid erreichen. 

Knapp die Hälfte des Hinweges absolviert.

Ansonsten. „Es läuft“, berichtet Albert. Mittlerweile haben sie 1400 von 3000 bis 3500 Kilometer zurück gelegt. Die genaue Streckenlänge ist schwierig festzulegen, weil sie fast jeden Tag die Router etwas ändern müssen. Das bringt Abwechslung. Dazu viele Begegnungen, die etwas in der sonst so festgelegten Wahrnehmung bewegen. 

Zwei verschiedene Welten binnen weniger Kilometer.

Beispiel der gestrige Freitag. Gestartet sind Birgit und Albert am Morgen in einem sehr ländlich-ärmlichen Teil auf dem Balkan im Süden von Kroatien. Vorbei an zerschossenen Häusern, die seit dem Balkan-Krieg und dem Zerfall Jugoslawien vor sich hinrotten. Aber nur wenige Kilometer weiter treffen sie auf eine völlig andere Welt. „Wie bei uns. Leben in den Dörfern, Kinder auf der Straße. Da war einfach Leben“, erzählt Albert. 

„Es ist wie eine Studienfahrt.“

„Man lernt so viel“, ist Albert von seinen Erfahrungen begeistert. Man bekomme einen ganz anderen Blick auf gewisse Dinge. Fasziniert ist er vor allem von der Verkehrsführung, insbesondere, weil die beiden Südpfälzer mit ihrem Vehikel-Gespann nicht schneller als 15 km/h unterwegs sind. Aber das sei seit dem Verlassen Deutschlands kein Problem mehr. Hierzulande stünden überall und permanent Autos am Wegesrand und stellten oft ein Hindernis dar. Seit Österreich, durch ganz Slowenien und auch Kroatien habe er kein einziges Auto gesehen, das am Straßenrand geparkt gewesen sei. Einfaches Fortkommen. Die Freie Fahrt werde gelebt.

Dazu eine Anekdote. In einem Dorf habe er sich vor zwei Tagen bei einer Kneipe erkundigt, ob neben Getränken auch Essen angeboten werde. Selbstverständlich meinte die Mitarbeiterin sehr freundlich, wies aber gleich darauf hin, dass er nicht hier am Straßenrand parken dürfe …

Schöne Begegnungen.

A propos Kneipe. So hat es am Donnerstag fast den ganzen Tag geregnet. Birgit und Albert waren am Abend durchnässt und durchgefroren. Sie kehrten ein und bestellten Glühwein. Der Wirt sei von ihrem Abenteuer so begeistert gewesen, dass er das Heißgetränk spendierte. Tags zuvor habe ein junger Mann an ihrem Nachtquartier angehalten und Fotos gemacht, seinen Vater herbei gerufen. Beide luden die Südpfälzer ein, auf ihrem Grundstück zu nächtigen und kredenzten am nächsten Morgen ein Frühstück. Einfach so. „Die Menschen sind so nett. Ich weiß gar nicht, wo all das Schlechte in der Welt herkommt“, sinniert Albert über seine Studienreise, die für ihn und seine Frau offensichtlich immer weiter neue Horizonte eröffnet. Oder mit Alberts Worten gesprochen. „Es ist eine Bereicherung. Man sieht manches anders.“ ...

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