13.09.2026 - Schluss. Warum Eddy das Kaisereck aufgibt.

Stadtbürgermeisterin Carmen Winter im Interview mit dem SWR. Foto. Hi.

Von Günter Hirschmann. 

ANNWEILER. Eddy Lydorf gibt nach 13 Jahren das Kaisereck in Annweiler auf. Bei der Abschiedsparty kamen noch einmal zahlreiche Stammgäste, Freunde und Wegbegleiter zusammen. Auch Stadtbürgermeisterin Carmen Winter und der Erste Beigeordnete Benjamin Burckschat waren dabei. Überbordende Bürokratie, steigende Kosten und ein verändertes Ausgehverhalten. Für Lydorf gibt es mehrere Gründe, einen Schlussstrich zu ziehen.

Lesezeit: 03:39 Minuten

Dass das Kneipensterben weit über Annweiler hinaus kein Einzelfall ist, zeigt auch das Interesse des SWR. Ein Filmteam hatte Lydorf bereits die gesamte Woche vor der Abschiedsparty begleitet. Die 45-minütige „7 Tage“-Reportage zum Kneipensterben soll voraussichtlich Anfang kommenden Jahres ausgestrahlt werden, sagt Reporterin Elisa Luzius, die selbst aus einer Gastronomen-Familie stammt. „Wir wollen mit unserem Dreh zeigen, was die traditionelle Kneipe war und was es für die Menschen macht, wenn so etwas wegfällt“, ergänzt Kameramann Elias Franke.

„Das versteht doch keiner mehr.“

Lydorf macht vor allem die aus seiner Sicht überbordende Verwaltungs- und Regulierungsbürokratie für seinen Entschluss verantwortlich. Hinzu kämen Kosten, die in den vergangenen Jahren um rund 40 Prozent gestiegen seien. „Das kann man preislich nicht an die Gäste weitergeben“, sagt er.

Wie sehr ihn der Umgang mit Vorschriften und Behörden ärgert, schildert er am Beispiel der Schankerlaubnissteuer. Diese sei im Landkreis SÜW zwar seit 2026 abgeschafft. Dennoch werde von ihm für die Jahre seit 2023 eine erhebliche Nachzahlung im Zusammenhang mit der Erweiterung seines Biergartens verlangt. 

„Der Biergarten ist vielleicht 20 Tage im Jahr für jeweils rund fünf Stunden geöffnet. Trotzdem soll der gesamte Jahresumsatz des kompletten Betriebes als Berechnungsgrundlage herangezogen werden“, kritisiert Lydorf.

Beispiel Spielgeräte. Keine Mängel. Kontrolle kostet 275 Euro.

Ein weiteres Beispiel ist für ihn die Kontrolle seiner Spielgeräte durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt. Obwohl ihm nach einer intensiven Kontrolle im April schriftlich bescheinigt worden sei, dass es keine Beanstandungen gebe, müsse er dafür 275 Euro Gebühr bezahlen. „Das versteht doch keiner mehr“, sagt Lydorf.

Auch eine einfache bauliche Erweiterung für zusätzliche Sitzplätze, die nach Lydorfs Angaben kostengünstig möglich gewesen wäre, sei von der Kreisverwaltung aus Denkmalschutzgründen abgelehnt worden. Die Begründung könne er nicht nachvollziehen.

Dazu kommen die laufenden Kosten. „Die größte Hürde sind natürlich die enorm gestiegenen Kosten. Sky, GEMA, Einkauf und so weiter.“

Seine Kritik weist über den Einzelfall Kaisereck hinaus. Wie viel Regulierung verträgt ein kleiner Gastronomiebetrieb noch? Wo könnten Politik und Verwaltung Vorschriften, Kontrollen und Dokumentationspflichten abbauen, ohne notwendige Standards aufzugeben?

Wenn die Jungen nicht mehr in die Kneipe gehen.

Und auch die Gäste hätten sich verändert. Vor allem junge Menschen gingen heute anders aus. „Man trifft sich online. Die Kneipe als sozialer Ort ist out. Und es wird auch nicht mehr so viel getrunken wie früher“, sagt Lydorf.

„Ein Schmelztiegel, wo dich keiner fragte, wer du bist.“

Bei der Abschiedsparty standen solche Fragen allerdings nicht im Vordergrund. Dort überwogen die Erinnerungen an 13 Jahre Kaisereck. „Ein Schmelztiegel, wo dich keiner fragte, wer du bist oder was du hast“, sagen Felicitas und Marcel Heyne aus Gräfenhausen über die kleinen Kneipe.

Für Marisa Kugler, eine „waschechte Lokalmatadorin“, wie sie von sich sagt, war das Kaisereck „eine niveauvolle Kneipe als Begegnungsstätte, in die man auch als alleinstehende Frau reingehen konnte. Manchmal mit Live-Musik. Abschaltung vom Alltag, und von Zeit zu Zeit auch ein anspruchsvolles Gespräch“.

Auch Gabi Brödel ist „immer gern gekommen, wenn ich nach meiner anstrengenden Schichtarbeit frei hatte. „Das wird hier jetzt fehlen“. Dass das Kaisereck für viele eine Art Wohnzimmer-Ersatz gewesen sei, wo man auch spät abends noch einen Drink nehmen konnte, meint Stadträtin und Gästeführerin Iris Grötsch. „Auch meine Töchter sind gerne hingegangen.“

„Ein Herzstück unserer Gastronomielandschaft.“

Auch Stadtbürgermeisterin Carmen Winter bedauert das Aus. Im Interview mit dem SWR sagte sie. „Das Kaisereck war ein Herzstück unserer Gastronomielandschaft. Wir verabschieden eine Institution in Annweiler und danken Eddy Lydorf und seinem gesamten Team für die unzählig schönen Momente, die sie den Bürgern und Gästen unserer Stadt geschenkt haben.“

Das Kneipensterben bedeute auch einen Verlust für das gesellschaftliche Leben. „Mit der schrumpfenden Gastronomie geht ein Stück unserer kulturellen Tradition verloren“, sagt Winter. Sie begrüße es deshalb, dass der SWR das Thema in einer ausführlichen Reportage aufgreife.

Jetzt kommt der Foodtruck.

Ganz aus der Gastronomie zieht sich Lydorf nicht zurück. „Nach 13 Jahren habe ich einfach keine Lust mehr und konzentriere mich auf meinen Foodtruck“, sagt er. Mit „Eddy’s Streetfood“ will er künftig mobiler arbeiten und Annweiler treu bleiben. Auch auf dem Weihnachtsmarkt soll sein Foodtruck wieder zu finden sein. 

Das Kaisereck geht – Eddy bleibt. Foto. Hi.
Das Kaisereck geht – Eddy bleibt. Foto. Hi.
„Ein Schmelztiegel, wo dich keiner fragte, wer du bist“. Marcel und Felicitas Heyne, Iris Grötsch (v. links). Foto. Hi.
„Ein Schmelztiegel, wo dich keiner fragte, wer du bist“. Marcel und Felicitas Heyne, Iris Grötsch (v. links). Foto. Hi.
Marisa Kugler (r.): „Eine Begegnungsstätte, wo man auch als alleinstehende Frau reingehen konnte“. Foto. Hi.
Marisa Kugler (r.): „Eine Begegnungsstätte, wo man auch als alleinstehende Frau reingehen konnte“. Foto. Hi.

- Anzeigen -

TV Bad Bergzabern

Vielseitig. Familiär. Sportlich. Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Basketball und noch viel mehr. Schaut doch einfach auf der Homepage vorbei, was für tolle Sportangebote es beim TV Bad Bergzabern gibt.
www.tv-badbergzabern.de