Der Musikverein Hauenstein, der Canta Nova Chor und der Kinderchor aus dem Nachbarort Wilgartswiesen sowie die Band „Doppelhertz" gestalteten das umfangreiche Rahmenprogramm. Für Kinder war aus LD „Die Kugel" mit Spielmobil und Kindertheater angereist und der örtliche Verein „Die Hulwische" bot ein im jeweiligen Ergebnis erstaunlich kunstvolles Kinderschminken. Die „Rollende Schuhfabrik", aufgebaut auf einem langen Anhänger, demonstrierte aktiv wie es einst in den Fertigungsbetrieben zuging.
Stände mit Essen und Trinken, geführt vom freundlich-fröhlichen Museumsteam, trugen maßgeblich zum Erfolg und zum geselligen Beisammensein bis in den Abend bei.
Besucher kommen von weit über die Pfalz hinaus.
Carl-August Seibel, zugleich direkter Nachfahre der Begründer der Schuhindustrie in Hauenstein, hieß in seiner Ansprache als „einen der Urväter des Museums" Willy Schächter willkommen, den damaligen Ortsbürgermeister der Gemeinde. Er schilderte kurz die Entstehungsgeschichte des Museums und erinnerte an die 2022 abgeschlossene Sanierung des Gebäudes, verbunden mit der „kompletten Erneuerung" der Ausstellung. Hier habe man „ein einzigartiges Museum der deutschen Schuhgeschichte, kein Hauensteiner Museum, es ist überregional. Wenn ich Führungen mache finde ich faszinierend von wie weit über die Pfalz hinaus Besucher kommen". Etwa 200 Schuhmaschinen aus den Jahren 1880 bis 1980 seien zu sehen (die meisten funktionstüchtig, Anmerkung des Verfassers) und beispielsweise Utensilien wie Schuhcreme, Nähfaden oder damalige Werbung. „Das größte Exponat ist das Gebäude, die tolle Schuhfabrik der Gebrüder Schwarzmüller aus dem Jahr 1928 im Bauhausstil", zeigte er sich überzeugt.
Damals voller Zukunftsvisionen.
Auf den Tag genau vor 30 Jahren habe das Deutsche Schuhmuseum eröffnet werden können, blickte Willy Schächter zurück. „Voller Missionen und Zukunftsvisionen" sei man damals gewesen, „ich erinnere mich gut, bei bestem Wetter. Prominente aus Land und Bund waren gekommen und stolze Hääschdner. Es ist ein Museum des Bürgersinns. Ich bin dankbar, dass wir das gemeinsam schaffen konnten. Wir waren eine verschworene Gemeinschaft." Das Ergebnis könne sich sehen lassen. „Wer hätte gedacht, dass die renommierte FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sechs Monate nach der Eröffnung schrieb ‚Das ist die Geschichte der deutschen Schuhindustrie, wohlverpackt in einer weißen Schuhschachtel'". Er denke mit Dank an die „ehrenamtlichen Kassiererinnen der ersten Stunden und an die legendären Museumsführer die Tag und Nacht uns alle begeistert und bereichert haben."
Willy Schächter erinnerte auch an die Brüder Carl August und Anton Seibel, die 1886 mit einer ersten Spindel-Sohlenstanzmaschine „den Grundstein legten zur Industriegeschichte im bitterarmen Hauenstein", was hier vor 14 Tagen mit einer großen Jubiläumsfeier begangen worden sei (wir berichteten). „Das Museum ist ein Abbild dieser lebendigen Geschichte" und erinnere „an fleißige, strebsame Menschen deren Gedenken wir bewahren wollen. Wer Zukunft erhalten will muss Vergangenheit bewahren." Dem Museum wünsche er weiteres Wachsen und Gedeihen und er danke allen die museale Verantwortung tragen.
Dieses Museum ist eine große Leistung.
„Wir sind allen die sich eingebracht und engagiert haben außerordentlich dankbar", erklärte in seinem Grußwort Hans-Ulrich Ihlenfeld, Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz namens des Bezirksverband Pfalz. Dieses sehr interessante Museum sei eine große Leistung und er hoffe, dass es so weitergehe. 200.000 Besucher pro Jahr sei eine „sehr ordentliche Zahl".
Der Bezirksverband Pfalz sei zuständig für Themen der Daseinsvorsorge sowie Kunst und Kultur, darunter das Deutsche Schuhmuseum. „Es ist wichtig, dass es solche Leuchttürme gibt, dass Menschen aus ganz Deutschland hierher kommen. Wir sind stolz Mitglied der Stiftung zu sein und leisten einen erheblichen Beitrag. Auch das hiesige Outlet sei zu erwähnen („Schuhmeile Hauenstein", Anm. d. V.). Derzeit lahme die Wirtschaft. „Vielleicht müssen wir uns wieder auf unsere eigenen Kräfte besinnen. In diesem Sinn alles Gute für das Museum", schloss er.
Flaggschiff unserer Geschichte.
„Das Museum liegt mir am Herzen", sagte Christof Reichert, Landtagsabgeordneter und Hauensteiner. Er habe die Entstehung verfolgt und begleitet. „Es war eine große Herausforderung, auch in finanzieller Hinsicht." Die Schuhindustrie habe zum Wohlstand der Region beigetragen. „Auch deshalb ist wichtig das dies hier dokumentiert wird". Dem schloss sich Patrick Weißler an, Bürgermeister der VG. Er freue sich über die rege Nutzung des Museums. Steffen Mellein, Ortsbürgermeister von Hauenstein sowie qua Amt in der Museumsleitung engagiert, nannte es „Flaggschiff unserer Geschichte".
Musikalisches Rahmenprogramm.
Intermezzi zwischen den Ansprachen und Grußworten boten der Musikverein und die Chöre. Am Nachmittag begeisterte mit hervorragend interpretiertem Folk-Pop die vor rund einem Jahr neu gegründete Hauensteiner Band „Doppelhertz", die verstärkt wird vom virtuosen Geiger Rainer Dietrich aus Klingenmünster. „Das wird unsere Hääschdner Band", prophezeite Carl-August Seibel. Als die Musiker das von ihnen verfasste Loblied auf Hauenstein präsentierten, war von einheimischer Besucherseite zu vernehmen „das wird unsere neue Hymne".
Kostenloser Besuch und Führungen.
Das Museum war an diesem Sonntag kostenlos zugänglich, einschließlich der derzeitigen Sonderausstellung „Fußball Magie" (wir berichteten), ebenso die Teilnahme an den Führungen. Dabei war von Dieter Busch unter anderem zu erfahren, dass es in Hauenstein (aktuell rund 4.100 Einwohner) 35 Schuhfabriken gab, bevor die heimische Schuhindustrie nach Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) durch Produkte aus Ländern mit geringeren Lohnkosten größtenteils verdrängt wurde.
Begonnen habe die pfälzische Schuhfertigung im (nahe gelegenen) Pirmasens der 1790-er Jahre, wo nach dem Ableben des militärverliebten Landgrafen Ludwig IX. brotlos gewordene Soldatenfamilien dazu übergegangen waren, Uniformmäntel aus dickem Filz zu „Schlappen" zu verarbeiten. 1838 habe dann dort Peter Kaiser seine Schuhwerkstadt eröffnet, die innerhalb weniger Jahre zu industrieller Fertigung überging.
Info.
Im Netz & Öffnungszeiten.
Deutsches Schuhmuseum Hauenstein
Museum für Schuhproduktion und Schuhkultur
D-76846 Hauenstein, Turnstraße 5
Telefon 06392 923.334-0
E-Mail: Info@Museum-Hauenstein.de
Internet: https://www.Museum-Hauenstein.de/
Geöffnet täglich (auch sonntags) 9:30 bis 17 Uhr
Eintritt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro