Eigentlich wollten die beiden Traktor-Abenteurer bis zum Mittelmeer-Badeort Side fahren, also über Istanbul noch quer durch die halbe Türkei Richtung Südosten. Gestrichen, wie Albert Getto am gestrigen Samstagnachmittag im Gespräch mit suewpress.de berichtet. Die Stimmen beider Reisenden machen einen aufgeweckten, fröhlichen Eindruck. Doch Albert sorgt sich um seinen alten Deutz (Bj. '61). Nichts Konkretes. Aber sein Bauchgefühl. „Ich will mit dem Traktor ja auch wieder nach Hause kommen.“ Dazu hat die Querung von Serbien viel Kraft gekostet. „Eine andere Welt.“ Rückständigkeit. Vergangenheit. Kaputte Straßen. Schlaglöcher … Das geht in die Knochen. Oder wie es Albert diplomatisch formuliert. „Der Weg ist weit, sehr weit.“
Ziel. Nicht mehr Side. Sondern südlich von Istanbul.
Kurzum. Birgit und Albert haben beschlossen, nicht die Bergwelt der Türkei bis ans Mittelmeer nach Side zu überwinden, sondern, nur noch die Meerenge Bosporus zu überqueren und dann südlich von Istanbul ihr Lager am Marmara-Meer für ein paar Tage als Ziel aufzuschlagen. Um dann die Rückreise anzutreten. „Wir haben gesagt, wir wollen bis in die Türkei fahren. Das werden wir dann auch geschafft haben.“ Laut Albert wollen sie dann in 5 bis 6 Tagen die Zielflagge stecken. Der Bosporus ist der natürliche Kanal, der das Schwarze Meer mit dem Marmara-/Mittelmeer verbindet und quer durch die Millionen-Metropole Istanbul verläuft.
Trotz aller Anstrengungen. Viele tolle Erlebnisse.
Bis auf zwei unangenehme Momente durch versuchte Abzocke wegen einer kleinen Reparatur an einem Traktorreifen der „Touris“ und der Verdreifachung des Preises für einen Kaffee in einem Bistro können die Birgit und Albert nach wie vor nur von tollen Erlebnissen und einer weiterhin ungebrochenen Gastfreundschaft auf ihrer Reise berichteten. Die Grenze von Serbien zu Bulgarien haben die beiden am Donnerstag passiert. Und gleich Prägendes erlebt. Etwa 20 Grenzpolizisten hätten sich um ihr Gespann geschart, berichtet Albert. Nicht wirklich einer Kontrolle wegen. Alle hätten ihr Handy gezückt und Fotos von Ross und Reiter geschossen, erzählt Getto lachend. Und wenig weiter hätte ein Mann ihnen ein Kilo Kirschen geschenkt. Einfach so.
„Über was wir uns in Deutschland alles aufregen.“
Hinter der Grenze war dann nur eine Autobahn. Eigentlich tabu für einen Traktor mit Wohnwagen im Schlepptau. Die „Grenzer“ hätten sie trotzdem fahren lassen. Kurz darauf hätte sie eine Frau angehalten, die sie von der Schnellstraße runter gelotst und auf passende Nebenstraßen geschickt habe. „Es ist eine ganz andere Welt. Über was wir uns in Deutschland alles aufregen ...“, schildert Getto von neuen Eindrücken in seinem täglich größer werdenden Erfahrungshorizont.
Preis-Leistungsverhältnis.
Apropos Erfahrungshorizont. Am Rande erzählt Getto, was für Preise im EU-Land Bulgarien bezahlt werden. So kostet der Liter Diesel gerade einmal 1,45 Euro. Oder im Restaurant (keine Selbstbedienung!): 0,5 Liter Bier für 1,70 Euro. Das 400-(!)-Gramm-Steak mit Pommes und Brot, inklusive einem Kaffee und einem Ouzo gab es alles zusammen für 10 Euro.
So klein ist die Welt …
Das vielleicht Beste zum Schluss. „Auch, wenn die Reise in die Türkei weit, sehr weit ist“, so Albert. So ist die Heimat doch so nah. Eine serbische Frau habe Birgit und Albert an der Grenze zu Bulgarien angesprochen und aufgrund des Nummernschildes gefragt, wo sie denn herkommen von der Südlichen Weinstraße. Hammer. Sie selbst habe einige Zeit in Steinfeld gelebt ...