26.08.2026 - Energiepark. Zukunftstechnologie in Anwendung.

Der PSer Bürgermeister Michael Maas, rechts, und Leitender Ingenieur Benjamin Pacan (PFI) im Gespräch mit dem Autor. Foto. W. G. Stähle.

Von Werner G. Stähle. 

PS. Wo von ihr beeinflussbar unternimmt die Stadt Pirmasens umfangreich Anstrengungen, den Energieverbrauch zu verringern, selbst umweltschonend Energie zu erzeugen und den Ausstoß von „Klimagasen" zu vermindern oder gar umzukehren. In wechselseitiger Zusammenarbeit mit dem in der Stadt ansässigen Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI) wurden und werden mit dieser Zielsetzung in Versuchsanlagen neuartige Verfahren entwickelt, unter Realbedingungen umgesetzt und weitere Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen, bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Nutzanwendung, wie Bürgermeister Michael Maas und Projektleiter Benjamin Pacan (PFI), dem Verfasser vorstellten und erläuterten.

Lesezeit: 03:14 Minuten

Nach Einschätzung des Verfassers wird im Zusammenwirken von PFI und Stadt Grundlagenforschung betrieben und auf Praxistauglichkeit untersucht, auf beiden Seiten offenbar mit viel Engagement und Begeisterung.

Realisierung im Energiepark Winzeln.

Im 2007 begründeten „Energiepark Pirmasens-Winzeln" wird aus Bio-Reststoffen Biogas erzeugt sowie in einer weiteren Anlage aus nachwachsenden Rohstoffen. Eine zusätzlich anvisierte Holzvergaseranlage zur Gewinnung von zusätzlichem energiereichem Gas sei nicht realisiert worden. Langfristige Lieferverträge mit der Behörde Landesforsten seien nicht zustande gekommen. Die gewonnen Produkte würden nach Vorbehandlung und Überwachung der Qualität ins bestehende Erdgasnetz eingespeist, in einer „Kraft- Wärme-Kälte-Kopplungs-Anlage" zur Erzeugung von elektrischem Strom, Wärme und Kälte verwertet sowie über vorhandene eigene Netze zu den Verbrauchsstellen geleitet.

CO-2 zu Methan umwandeln.

„Biogas war das Erste. Dann kam der Gedanke, wir könnten Kohlendioxid zu Methan umwandeln, wenn wir Wasserstoff haben, Wasserstoff gewonnen durch Elektrolyse", beschrieb Michael Maas. Es entstand als jüngstes Projekt die Wasserelektrolyse-Anlage zur Bereitstellung von Wasserstoff und Sauerstoff aus Überschuss-Strom. „Wir haben eine relativ große Windkraft-Anlage, weiterer Ausbau der Photovoltaik ist geplant."

Der gewonnene Sauerstoff werde der Kläranlage Felsalbe zur Verfügung gestellt, der Wasserstoff für eine geplante Methanisierung. „Methan ist ein Medium das wir kennen." Es könne gespeichert, ins Erdgasnetz eingespeist und zum Eigenverbrauch verwendet werden. „Dabei geht es uns auch um Versorgungssicherheit und wir brauchen dazu keine neue Struktur." Der Förderantrag sei gestellt, Günstigstenfalls könne noch dieses Jahr mit der Realisierung begonnen werden.

Aus Treibhausgas wird Brennstoff.

Als neuer Ansatz werde bei dieser (innovativen) Art der Methanisierung nicht das Kohlendioxid aus dem Biogas entfernt, sondern Wasserstoff dazugegeben und mit Hilfe von anaeroben Archäen (auch „Urbakterien") zu Methan umgewandelt, erläuterte Benjamin Pacan. Das Nährmedium sowie Wasser werde über ein ausgeklügeltes Recyclingsystem zurückgewonnen.

Bereich Biotechnologie startete im Jahr 2000.

Zur Jahrtausendwende habe das PFI begonnen, einen Bereich „Biotechnologie" aufzubauen, blickte im Gespräch Benjamin Pacan zurück, als Diplomingenieur Leiter der betreffenden Projekte. Erste Zielsetzung sei damals gewesen, Biogasanlagen zu realisieren und weiterzuentwickeln. „Weiter wollten wir Grundstoffe bereitstellen und eine Wasserstofftechnologie aufbauen." Im Jahr 2003 sei er als junger Ingenieur zur Stadt gekommen und habe den Auftrag erhalten, dort eine „Abteilung Biotechnologie" aufzubauen, schilderte der heutige Bürgermeister Michael Maas. 

Nach Forschung und Versuchsanlagen sei ein erstes Großprojekt in der städtischen Kläranlage Blümeltal realisiert worden, „um mehr Biogas aus dem Faulschlamm herauszuholen", mittels Optimierung von Temperatur und Druck. In enger Zusammenarbeit mit dem PFI sei dann die „Biogas-Masteranlage" realisiert worden, eine Eigenkonstruktion des PFI, in der mittels Thermodruckhydrolyse unterschiedlichste Stoffquellen aufgeschlossen und verwertet werden, auch schwierige, wie beispielsweise Gras oder Holzreste. „Wir haben alle Stoffströme an einem Ort gebündelt."

Es habe sich dann ein „breites Spektrum" entwickelt. Man habe sich mit anderen Kommunen ausgetauscht, arbeite mit der Hochschule Kaiserslautern zusammen sowie mit Firmen, darunter die BASF. „Wir können Grundstoffe für die Industrie herstellen, beispielsweise Bernsteinsäure."

Es folgte der Energiepark.

2007 sei dann die Idee zum Energiepark entstanden, auf Anregung von Michael Maas, wie auf Nachfrage zu erfahren war. Nachdem man bei Landwirten eruiert hatte, „wer wo und wie mitmacht", sei als weiterer Ausbauschritt die Anlage zur Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen errichtet worden, gefolgt vom Blockheizkraftwerk, um aus dem gewonnenen Biogas Strom und Wärme zu erzeugen.

Methanisierung und Elektrolyse.

Nach vielen weiteren Schritten sei dann sei der Gedanke gekommen, „wir könnten Kohlendioxid zu Methan umwandeln, wenn wir Wasserstoff haben", gewonnen durch Elektrolyse, schilderte Michael Maas. 2012 habe man mit der Forschung begonnen, 2016 die erste Anlage realisiert, die dann, vorbehaltlich der Förderzusage, die geplante Methanisierungsanlage mit Wasserstoff versorgen soll.

Energiewende gelingt nur mit Speicherung.

„Wir werden mit der Energiewende nicht erfolgreich sein, wenn wir Energie nicht speicherbar machen können", zeigten sich Michael Maas und Benjamin Pacan überzeugt. „Batteriespeicher können das kapazitiv nicht leisten. Unser Projekt ‚Methanisierungsanlage' könnte zur Blaupause werden."

 Ingenieur Benjamin Pacan erklärt die Methanisierungs-Versuchsanlage im PFI. Untersucht wird, welche Bedingungen für spezielle Archäen („Urbakterien") optimal sind. Foto. W. G. Stähle.
Ingenieur Benjamin Pacan erklärt die Methanisierungs-Versuchsanlage im PFI. Untersucht wird, welche Bedingungen für spezielle Archäen („Urbakterien") optimal sind. Foto. W. G. Stähle.

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