Ursprung. Der Hunger.
Böhämmer. Das ist eine nordische Finken-Art. Sie kam zum Überwintern in die Pfalz. Die Menschen vor 100 Jahren litten Hunger, durften in dem voll gedeckten Wildteller der Natur aber nicht mit Schusswaffen jagen. Schon gar nicht größeres Wild. Blieben die Vögel. Eine Truppe Einheimischer organisierte sich und kam auf die Idee, die Böhämmer als Fleischquelle zu erschließen. Erlegt mittels Blasrohren, die dann selbst hergestellt wurden. Eine Wissenschaft für sich.
Der Kniff für die Jagd.
Böhämmer suchen sich für ihre fast unerschütterliche Nachtruhe waagrechte Äste aus, auf denen sie sich nebeneinander kuschelförmig aneinander geschmiegt aufreihen. Um sich so in der Nachtkälte gegenseitig zu wärmen. Das Unikum. Sobald ein Vogel die „Perlen-Kette“ aus der Mitte heraus verlässt, rücken die anderen Tiere sofort nach, schließen die Lücke, ohne wirklich aufzuwachen.
Warum Blasrohre?
Das ist der erfolgreiche Ansatz der Böhämmer-Jäger. Denn durch die lautlose Anwendung mit Tonkügelchen bestücken Blasrohre blieb die Jagd fast lautlos. Die Vögel schreckten einfach nicht auf und konnten Stück für Stück abgeschossen und hernach verzehrt werden. Im Übrigen waren Schusswaffen ja kaum einem Bürger erlaubt.
Der Verein. Die Besonderheit.
Man mag es glauben oder nicht. Aber einen vergleichbaren Verein wie den Böhämmer Jagd-Club BZA gibt es nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Vorsitzende ist Gisela Gander. Sie ist seit über einem halben Jahrhundert Mitglied in „dem Verein“ von BZA. Seit 2024 letztlich Vorsitzende, um das drohende Aus abzuwenden. Seither steht ihr auch der Zweite Vorsitzende Aleksander Bogdanovic zur Seite.
Was kaum jemand weiß.
Und der Vorstand hat was zu erzählen, was die wenigsten wissen. Es fängt damit an, dass die Böhämmer nicht 100 Jahre, sondern bereits 101 Jahre alt sind. Aber in der Restrukturierungsphase im vergangenen Jahr zu spät im Jahr in Erfahrung gebracht, um noch etwas „reißen“ zu können.
Des Weiteren. Die Böhämmer mag es seit einem Jahrhundert geben. Den Verein allerdings nicht. Denn der Verein selbst wurde laut Gander erst 1948 gegründet. Vorher war es eine feste Gruppe von 6 bis 8 Männern, die sich als „Böhämmer“ 1925 gefunden hatte.
Nach Höhen und Tiefen durch die Jahrzehnte hinweg stand der Verein 2017 mit weniger als 20 Mitgliedern vor dem Aus. Doch dann sei der damalige Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig als „Pusher“ hinzugestoßen. In der Folge wuchs die Mitgliederzahl wieder auf die heute noch ungefähre Größe von etwas mehr als 100.
Das Drama. Der Brand.
Doch kaum war der Verein wieder neu aufgestellt, brach im August 2018 ein verheerender Brand im Vereinsheim am Wonneberg aus. Das war das eine Fiasko. Das wirklich Schlimme kam gleich im Anschluss. Corona. Da ging für Jahre kaum mehr was in Sachen Restrukturierung und Wiederaufbau.
Doch der Verein ließ sich nicht entmutigen. Mit Engelsgeduld und vielen Helfern und Sponsoren, wie Gander und Bogdanovic betonen, die zum Selbstkostenpreis peu a peu die Reparturen und den Wiederaufbau in Angriff nahmen, ging es wieder aufwärts, ist der Vorstand für die Hilfe dankbar.
Blasrohre für die Jugend. Für neue Mitglieder.
Stichwort „aufwärts“. Nachdem der mühselige Wiederaufbau des Vereinsheims an sich bewältigt ist, soll es vorwärts gehen. Weiterer Mitgliedergewinn. Vor allem über die Jugend. Mittels Blasrohr-Schießen mit Kunststoffrohren. Im nahen Kandel ist das im Verein BSV der Renner. Zig junge Menschen kommen dort begeistert zum Training mit den leichten Rohren und den kleinen Pfeilen zum Durchpusten. Zu erleben am Samstag, 2. Mai, ab 14 Uhr bei den Böhämmern auf dem Wonneberg. Text. rw.
Das Mai-Fest/-Jubiläumsprogramm.
Die Böhämmer feiern ihr 100. Jubiläum am Freitag & Samstag, 1. und 2. Mai an/in ihrem herrlich zwischen Wald und Reben gelegenen Vereinsheim am Wonneberg (oberhalb der Edith-Stein-Klinik).
Der morgige 1.-Mai-Feiertag steht im Zeichen des gemütlichen Pfälzer Beisammenseins. Los geht es um 11 Uhr mit dem Frühschoppen. Ab 11.30 Uhr gibt es Mittagessen und ab 14.30 Uhr Kaffee und Kuchen.
Der Samstag, 2. Mai, sieht ab 11 Uhr einen Festakt mit Reden von Ehrengästen und den Jagdhornbläsern vor. Allerdings auch in einem geselligen Frühschoppen-Rahmen. Ab 14 Uhr ist das Blasrohrschießen angesagt. Aber nicht das von vor 100 Jahren, sondern das moderne, vor allem junge Menschen ansprechende Schießen mit Pfeilen aus Kunststoffrohren. Das wird angeboten vom BSV Kandel, wo es nicht wirklich Nachwuchsprobleme mehr gibt. Um 16 Uhr beginnt der historische Vortrag von Heimatforscher Peter Körner.